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Türkei Hauptstadt:
Ankara
Wer die Halbinsel Anatolien an ihrer breitesten Stelle
durchquert, mag am ehesten den Aufbau des Landes erkennen, dessen
landschaftliche Großgliederung entscheidend ist für die wirtschaftliche
Gegenwart der Türkei. Dann wird klar, wieso dieses Land trotz seines überwiegend
gebirgigen Charakters in der Lage ist, mit der eigenen Landwirtschaft ein Volk
von über 65 Millionen Menschen zu ernähren. Das durchschnittlich 900 bis 1100 m hoch gelegene, von Steppe
bedeckte Hochland von Anatolien wird von einzelnen, meist vulkanischen
Gebirgsstöcken (Erciyas Dagi 3916 m) überragt. Es wird im Norden, längs der
Schwarzmeerküste, vom Pontischen Gebirge (3937 m), dem nur teilweise ein
schmaler Tieflandssaum vorgelagert ist, gerahmt, im Süden vom Taurus (3734 m),
den einige fruchtbare Küstenstriche, u. a. um Adana und Antalya, begleiten. Noch
heute wird der gesamte Gebirgsrahmen häufig durch Erdbeben erschüttert. Südlich
des Antitaurus geht das Land in die Syrische Wüste über. Das ostanatolische oder
westarmenische Hochland, in das der abflusslose Vansee eingebettet ist, erreicht
im Vulkankegel des Ararat 5197 m Höhe. Den Westen bildet das buchten- und inselreiche
Küstenland an der Ägäis mit Häfen, alten Städten und fruchtbarem Land. Das
flache, von Mittelgebirgen (Istrancagebirge, 1031 m) gesäumte Tafelland
Ostthrakien mit dem Hauptteil von Istanbul gehört bereits zu Europa. Auffälliger Vulkanismus und heftige Erdbeben entlang von
tektonischen Linien kennzeichnen die Gebirgs- und Hochländer Kleinasiens;
typisch für das Land sind eine enge Kammerung und Zerstückelung in
verkehrsbehindernde Gebirgsstöcke und -ketten, in Senken und zahlreiche Becken
jeglicher Größe. Fast alle Gewässer aus dem Hochland müssen deshalb auf ihrem
Weg zum Meer in bisweilen eindrucksvollen Schluchten diese Gebirgsbarrieren von
Senke zu Senke durchbrechen oder enden in einem der abflusslosen Salzseen (Tuz
Gölü). Wie eine riesige Schüssel, eingebettet und zangenartig umschlossen von
eindrucksvollen Gebirgssträngen des bis zu 4000m hohen Pontus im Norden und des
über 3000m aufragenden Taurus im Süden, gegliedert durch mehrere große Becken
(Tuz Gölü- und Konya-Becken, Senke des oberen Sakarya, Becken von Eskisehir und
Afyon), liegt in durchschnittlichen Höhen zwischen 800 und 1200m die
flachwellige Steppenlandschaft des zentralanatolischen Hochlandes die türkische
"Kornkammer". Zusammen mit den thrakischen Getreidesteppen der nordwestlichen
Türkei liefert dieser agrare Großraum den Hauptanteil für das türkische
Grundnahrungsmittel Brot. Zur Ägäis hin findet das tektonisch beanspruchte und in steil
aufragende Horste und tiefe fruchtbare Gräben zerbrochene westanatolische
Bergland seinen Abschluss in einer stark gegliederten, buchtenreichen Küste.
Jenseits von Sivas dagegen, bis hin zum Vanseegebiet, liegt der wirtschaftliche
"Hinterhof", der türkische Osten. Hier verzahnen sich die beiden
Gebirgsbarrieren in den hochgelegenen, weitläufigen Graslandschaften der
sterilen Basaltplateaus des alten Armenien und in den wilden Bergländern
Kurdistans gespickt mit zahllosen Vulkanen, von denen der Ararat (Büyük Agri
Dagi) nicht nur der bekannteste, sondern mit 5165m (neueste türkische Messungen
ergaben 5137m) Höhe auch der höchste Berg der Türkei ist. Die geotektonische Entstehung des Landes begünstigte Bildung
und Vorkommen zahlreicher Lagerstätten wichtiger Rohstoffe für Industrie und
Export in abbauwürdigen Konzentrationen und Mengen, unter anderem Bauxit, Chrom-
und Eisenerze. Die eingebrochenen Becken sind häufig nicht nur Lagerstätten für
tertiäre Braunkohlen; als tiefe Grabensenken, Talweitungen und breite
Küstenebenen bilden sie mit ihren flachen fruchtbaren und bewässerbaren
Schwemmlandböden ein wichtiges Rückgrat für die Landwirtschaft. Die Landschaftsformen bestimmen weitgehend auch die
klimatischen Bedingungen und damit Vegetationsmuster und die landwirtschaftlichen
Möglichkeiten der Türkei. Sie reichen vom angenehm kühlen mitteleuropäischen
Waldgebirge über die hitzeflimmernde Salzpfannensteppe bis hin zum
lichtdurchfluteten Ölbaum- und Zypressensaum am Mittelmeer. Nur an den schmalen
Küstenpartien herrscht subtropisches Klima,
der Hauptteil Anatoliens liegt
dafür viel zu hoch. Ohne die aufragenden Gebirgsrahmen, die das zentrale Hochland
wie eine Mauer abschirmen, wäre das Land wesentlich trockener. Diese Randgebirge
fangen die meisten Niederschläge ab. So ergeben sich vielfältige Kontraste
zwischen waldreichen, feuchten Höhen und trockenen Senken, zwischen
schwülheißen, intensiv kultivierten Küstenebenen und baumarmen Steppen. In den
Gras- und Getreidesteppen des Hochlandes und in den Gebirgen stehen sich lange
Sommerdürre und extreme Winterkälte gegenüber. Während im frostfreien
Küstenbereich des Mittelmeeres Baumwolle, Zitrusfrüchte und Bananen kultiviert
werden, erinnern die Feuchtwälder der Pontusregion mit Eichen, Buchen, Tannen
und Fichten eher an klimatische Verhältnisse gemäßigter Breiten.
Während in der Regenecke des Nordostens Tee, Haselnüsse, Trauben, Mais und Obst
im Überfluss gedeihen und die Rhododendren im Unterholz wuchern, ist
Inneranatolien ein trockenes, mitunter sehr karges Steppenland. Deshalb sind
ertragreichste Landnutzung auf der einen Seite und Landbau nahe am
Existenzminimum auf der anderen Seite Kennzeichen der heutigen türkischen
Agrarwirtschaft. Am dichtesten ist der europäische Teil besiedelt, im
asiatischen Teil nimmt die Bevölkerungsdichte nach Osten ab. Der Anteil der
städtischen Bevölkerung ist von 24% (1950) auf 75% (2000) gestiegen. Außer den
Kurden (20% der Bevölkerung, die hauptsächlich im Südosten des Landes leben)
gibt es kleine Minderheiten von Arabern, Tscherkessen, Armenier, Georgier
und Griechen. 99% der Bevölkerung sind Muslime, etwa 1% Christen verschiedener
Bekenntnisse. Ankara (früher: Ancyra, Angora bis 28. März 1930) ist die Hauptstadt der Türkei. Die Stadt hat 3 Millionen Einwohner (2003)
und ist damit die zweitgrößte des Landes nach Istanbul.
Die Stadt liegt auf rund 900 m über N.N. und hat eine Jahresdurchschnittstemperatur von
11,7 °C. Die Jahressumme der Niederschläge ist 416 mm, also relativ trocken.
Straßen- und Eisenbahnnetz sind trotz raschen Ausbaus vor allem
im Osten und im Landesinneren noch recht weitmaschig. Nach Istanbul sind die
wichtigsten Häfen am Mittelmeer Izmir, Mersin, Iskenderun, am Schwarzen Meer
Zonguldak, Samsun, Giresun und Trabzon. Die führenden Flughäfen sind Istanbul,
Ankara, Izmir und Antalya. Dem Inlandflugverkehr stehen weitere 16 Flughäfen zur
Verfügung. Kaum ein Land des Vorderen Orients ist europäischer und trägt
dennoch die meisten Insignien des islamisch-orientalischen Kulturkreises mit so
viel Stolz und nationaler Würde wie die Türkei. Anatolien, Wiege ältester
Kulturen und Zivilisationen, Kernraum großer Reiche von den Hethitern bis hin zu
den Osmanen, ist fast immer in irgendeiner Form auch Durchgangsland gewesen, -
meist zwischen Ost und West - sei es politisch, wirtschaftlich oder kulturell.
Das Land war damit über Jahrtausende Mittler zwischen Einflüssen
unterschiedlichster Herkunft und Prägung und ein Land der
Auseinandersetzungen. Krasser und bunter als anderswo zeigen sich deshalb in den
einzelnen Kulturlandschaften der Türkei viele Gegensätze. Oft eng benachbart
finden sich Relikte bestechender kultureller Leistungen und Hinweise auf
gleichzeitige bittere Entbehrung, bedingt durch Kriege, Unterdrückung oder
wirtschaftliche Zwänge. Kaum ein europanahes Reiseland steckt deshalb so voller
kultureller Vielfalt. Darüber hinaus bietet das Land aber auch viele
landschaftliche Kontraste und überaus reizvolle klimatische Gegensätze. In kaum einem Land rund um das Mittelmeer ist die Bevölkerung
Besuchern gegenüber zuvorkommender und gastfreundlicher als auf der 1500km
langen und 650km breiten gebirgigen Halbinsel an der Nahtstelle zwischen Asien
und Europa. Nicht zuletzt deshalb zählt die Türkei heute mit zu den beliebtesten
Reisezielen europäischer Touristen. Andererseits hat kaum ein Land so nahe vor den Toren Europas so
sehr mit sozialen Widersprüchen, wirtschaftlichen Problemen, politischen Zwängen
und auch selbst verschuldeten ökologischen Katastrophen zu kämpfen wie die
Türkei. Zu nennen sind: soziales und wirtschaftliches West-Ost-Gefälle,
auffällige Landflucht, galoppierende Inflation, alarmierende Arbeitslosigkeit,
zunehmende Gewässer- und Luftverschmutzung, Bodenerosion, Waldvernichtung,
Verbauung der Küsten, unkontrolliertes Wachstum der Städte und brisante
ethnische Konflikte. Nirgendwo spürt man diese kulturellen, sozialen und
wirtschaftlichen Gegensätze mehr als in den großen Städten des Landes: An erster
Stelle in Istanbul, der heimlichen Hauptstadt eines Landes mit über 65 Millionen
Einwohnern, von denen auch heute noch, nach über fünfzig Jahren der
Industrialisierung und des wirtschaftlichen Fortschritts, gut ein Viertel
äußerst anspruchslos auf dem Lande lebt und arbeitet. Für viele Besucher erscheint Istanbul, dieser betriebsame
Schmelztiegel von mittlerweile über 8Millionen Menschen unterschiedlichster
Herkunft, Volkszugehörigkeit und Glaubensrichtung, mit seinem sprichwörtlich
chaotischen Verkehrsgewühl, seinen aufdringlichen Gerüchen und Geräuschen und
mit seiner unverwechselbaren Kulisse unzähliger Kuppeln und Minarette, als
Brücke nach Asien, als Pforte zu einer uns fremden Kultur - dem Orient.
Hier
findet ihr mehr zu Historischen
Stätten, zu Istanbul
und zur
Türkischen
Riviera.
Kunst In Ost-Turkestan gab es die Malerei manichäischer Türken aus
dem 8.-9.Jh. in Chotcho (Turfan-Kunst) und buddhistischer Türken
in Bezeklik (9.-12.Jh.). Schwerpunkt der Maltradition blieb das
osttürkische Königreich der Uighuren. Nach der islamischen Eroberung
West-Turkistans im 9.Jh. beeinflusste die Steppenkunst türkischer
Prätorianerbevölkerung die islamische Kunst der Kalifenresidenz Samarra. Der resultierende Schrägschnittstil des Baudekors
verbreitete sich als "Reichsstil" der Abbasiden in Irak, Ägypten, Turkistan. Im 11.-12.Jh.
entfaltete sich unter türkischen Herrschern in Afghanistan (Ghasna) und
Iran (Ray) die seldschukische Kunst (islamische Kunst) mit reichem Kunstgewerbe. Neue Bautypen waren
die religiöse Hochschule und das Mausoleum . In Bagdad entwickelte sich nach 1200 eine Schule der
Buchkunst und Miniaturmalerei. - Nach 1171 erlangte die seldschukische Baukunst
im Reich von Rum (Kleinasien) eine Blüte. Die Hauptstadt Konya verfügte über einen Palast, Moscheen, Medresen, Klöster
(Tekke) mit reicher Bauausstattung in reliefiertem Stein, Stuck, Holz und
verschiedenen Fayencedekors. Bedeutende Karawanserei-Anlagen entstanden entlang
der Überlandstraßen. Einzigartige Zeugnisse großformatiger Knüpfteppiche sind
erhalten (Istanbul, Museum für türkische und islamische Altertümer). - Seit
Aufstieg des Osmanenreichs zur Großmacht bildete sich ein eigener Stil innerhalb
der islamischen Kunst heraus. Die Baukunst vollendet den Typ der
Kuppelmoschee, deren frühere Beispiele in Bursa und Edirne liegen.
Höhepunkte der Moscheearchitektur schuf Sinan in Istanbul und Edirne. - Bedeutende Leistungen brachte die
osmanische Kunst auf dem Gebiet der Keramik, besonders der Baukeramik (bemalte
Fliesen) hervor. Die Hauptmanufakturen befanden sich in Iznik. Das wichtigste Zentrum der gleichfalls hervorragenden
Seiden- und Samtweberei war Bursa, während die Teppichkunst ihre besten Fertigungsstätten in
Istanbul, Uschak und Bergama besaß. Schriftkunst und Malerei orientierten sich
vorwiegend an der persischen Kunst. Ausländische Architekten waren seit Anfang
des 20. Jh. am Aufbau der Großstädte beteiligt. In der neuen Hauptstadt
Ankara entstanden Schul- und Regierungsgebäude im Stil der Moderne und nach den
Vorbildern des Neuen Bauens. Federführend waren österreichische Architekten,
später der Deutsche Bruno Taut, der eine Synthese aus Moderne und Tradition schuf. Nach dem
Zweiten Weltkrieg folgte die türkische Architektur besonders in ländlichen
Gegenden den traditionellen Bauweisen, während sich die Städte zunehmend an
internationalen Strömungen orientierten. Seit den Reformen Kemal Atatürks
richtete sich die türkische Kunst im Wesentlichen nach den Strömungen in
Westeuropa. Bedeutendste Vertreter der jüngeren türkischen Künstlergeneration
sind die im Exil lebenden Hanefi Yeter (Maler), Abidin Dino
(Grafiker; vor allem Buchillustrationen zu Werken von Nazim Hikmet) und Mehmet Aksoy (Bildhauer), die, auf der
orientalischen Bildtradition und modernen Einflüssen aufbauend, eine stark
sozial engagierte Kunst pflegen. Daneben gibt es zeitgenössische Strömungen auch
im Bereich der Medienkunst.
Literatur Vom 13. bis zum Beginn des 19. Jh. stand die türkische
Literatur als Bildungskunst der Oberschichten unter islamischem, besonders
persischem Einfluss. Die Blütezeit dieser älteren türkischen Literatur lag im
16. Jh. Mit dem Einströmen westlicher Bildung stand das 19. Jh.
unter französischem Einfluss. Roman, Theater und Essay wurden in die türkische
Literatur durch die Schriftsteller der Tanzimat-Zeit (Mitte des 19.
Jh.) eingeführt. Die um die 1891 gegründete Zeitschrift
Servet-i-fünun ("Schatz der Wissenschaften") gescharten Schriftsteller
suchten neuen Inhalt und neue Form. Ihre Parole war "l'art pour l'art". 1908
begannen die Schriftsteller der Gruppe Fedjri-Ati ("Morgenröte der
Zukunft"), sich der nationalen Literatur mit der Losung "halka dogru" ("hin zum
Volk") zuzuwenden. Die Hauptvertreter einer neuen sprachpuristischen
Dichtergeneration sind Ömer Seyfettin, Mehmet Emin Yurdakul u. a. Ahmet Hasim führte den
Symbolismus in die türkische Literatur ein. Seiner Generation gehören zwei
weitere Dichter ersten Ranges an: Yahya Kemal Beyatli, der seine Inspiration aus der parnassischen
Schule schöpfte, und Ziya Gökalp, der Erste unter den türkischen Soziologen und den
Theoretikern des Nationalismus; er benutzte die Dichtkunst mehr für didaktische
Zwecke. In der Dichtung haben sich die Lyriker Kanik, Rifat, Daglarca, ferner
Ilhan, Necatigil, Üstün u.a. hervorgetan. An der
Spitze der Romanschriftsteller in der ersten Hälfte des 20. Jh. steht
der Erzähler Yakup Kadri Karaosmanoglu, ihm zur Seite stehen Sabahattin
Ali und Resat Nuri Güntekin, dessen einfacher, gefälliger Stil ihn
zum populärsten und bekanntesten türkischen Romancier gemacht hat (Roman: "Der
Zaunkönig"). Als kraftvoller revolutionärer Lyriker und Dramatiker, zu Lebzeiten
als Marxist in der Türkei verfemt, gilt Nazim Hikmet. Sait Faik Abasiyanik, Orhan Kemal und Kemal Tahir gelten als
Meister der Kurzgeschichte. Seit den 1950er Jahren haben vor allem Yasar
Kemal und Fakir Baykurt mit ihren Romanen über Armut und Elend des
dörflichen Lebens in Anatolien Beachtung gefunden. Wichtige Vertreterinnen der
Frauenliteratur sind Sevgi Soysal und Selçuc Füruzan. Einer der
populärsten Schriftsteller ist Azis Nesin mit seinen zeitkritischen und
satirischen Romanen und Erzählungen. Unter den jüngeren Autoren ragt Orhan
Pamuk heraus. Seit den 1960er Jahren entwickelte sich in Westeuropa,
besonders in Deutschland, eine Arbeiter- und Emigrantenliteratur, deren
Hauptvertreter Aras Ören und Güney Dal sind. Einige Autorinnen und
Autoren türkischer Herkunft wie Emine Sevgi Özdamar oder Akif
Pirinççi schreiben nur noch auf Deutsch.
Musik Während sich die diatonisch ausgerichtete Volksmusik noch immer
als spezifisch türkisch ausweist, zeigt die frühere, von Berufsmusikern am Hof
von Istanbul wie auch in den Klöstern von den Derwischen gepflegte Kult- und
Kunstmusik arabisch-iranische und byzantinische Einflüsse. Wie überall im Orient
beruhte auch die türkische Musik vor ihrer Modernisierung auf dem monodischen
Prinzip und zeigte rhythmischen Reichtum. Von der geistlichen Musik sind frühe
Derwischgesänge, Hymnen und prophetische Gebete überliefert, von der weltlichen
Musik Vokal- und Instrumentalsätze in Suitenform. Die in der türkischen Musik verwendeten Instrumente sind
lautenartige Zupf- und Streichinstrumente, oboen-, klarinetten- und flötenartige
Blasinstrumente, Trompeten, Hörner und zahlreiche Schlaginstrumente wie
Davul, Darabuka, Def oder Daira oder die in der alten Janitscharenmusik verwendeten Klangwerkzeuge. - Wichtigste
mittelalterliche Musiktheoretiker türkischer bzw. turkistanischer Herkunft sind
Al-Farabi, Safieddin und Avicenna, Meister des 19. Jh. Haci Arif Bey und
Osman Bey. Von den modernen Komponisten schreibt ein Teil gänzlich im
abendländischen Stil, andere suchen eine Verbindung mit der türkischen Musik.
Bekanntester Komponist des 20. Jh. war Ahmed Adnan Saygun
( † 1991), der sich auch als Volksliedforscher betätigte; ferner der auch
als Pianist bedeutende Ulvi Cemal Erkin († 1972) und Necil Kâzim
Akses (* 1908), der in Wien und Prag studierte. Ilhan Usmanbas
(* 1921) ist ein Vertreter der seriellen und elektronischen Musik. In der Popularmusik ist der Vormarsch westlicher Musikmodelle
unaufhaltbar, doch spielt die Tradition der Volksmusik sowohl in der
türkü genannten städtischen Unterhaltungsmusik wie auch in der seit den
1980er Jahren entstandenen özgün muzik ("ursprünglichen Musik") eine
wichtige Rolle. Daneben gibt es immer noch ozan, die Musik der
anatolischen Wandermusikanten und die Musik der Sufi-Sekte der
Mevlewi-Derwische.
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