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Tschechische RepublikHauptstadt: Prag
Tschechien liegt in Mitteleuropa. Im westlichen Teil des Binnenstaates liegt das von Elbe und Moldau entwässerte und von waldreichen Mittelgebirgen gesäumte viereckige Böhmische Becken (Böhmen), dem nach Norden die Egersenke und das Saazer Becken vorgelagert sind. Den Gebirgsrahmen bilden im Südwesten der Böhmerwald, im Nordwesten das Erzgebirge, im Nordosten die Sudeten mit der 1602 m hohen Schneekoppe im Riesengebirge als höchsten Berg des Landes und im Südosten die Böhmisch-Mährische Höhe. An diese schließt sich nach Osten die durch die March entwässerte Mährische Senke (Mähren) an, die im Osten von den Weißen Karpaten begrenzt wird.
Das Land liegt im Übergangsbereich zwischen ozeanischem und kontinentalem Klima. Die Gebirgsumrahmung schützt die sommerwarmen, wintermilden Beckenlandschaften vor Kaltlufteinbrüchen und wirkt als Niederschlagsfänger. Rund ein Drittel der Landesfläche werden von Wäldern eingenommen.
Die Tschechen stellen mit einem Anteil von 94% die größte Bevölkerungsgruppe (81% Böhmen, 13% Mährer), 2% sind Slowaken. Die übrige Bevölkerung setzt sich vor allem aus Polen, Deutschen, Ungarn, Roma und Ukrainern zusammen. Rund 75% der Bewohner leben in Städten. Die stärksten Bevölkerungskonzentrationen weisen der Großraum Prag und die Industriezonen Nordböhmens und -mährens auf. Seit 1990 gilt Religionsfreiheit. Größte Religionsgemeinschaft des Landes ist die katholische Kirche, zu der sich 27% bekennen; 2,5 % sind Protestanten, 2% Hussiten. 59% der Tschechen gehören keiner Religionsgemeinschaft an.
Das Verkehrsnetz ist gut entwickelt. Die Eisenbahn spielt vor allem im Güterverkehr eine bedeutende Rolle. Von den rund 128 000 km Straßen sind 498 km als Autobahnen ausgebaut. Die Binnenschifffahrt benutzt vor allem die Elbe und den Unterlauf der Moldau. Über die Elbe hat die Tschechische Republik Zugang zur Nordsee. Prag verfügt über einen internationalen Flughafen.
KunstLiteraturNachdem die tschechische Sprache sich aus dem Gemeinslawischen gelöst hatte und die Tschechen mit dem römisch-katholischen Glauben die lateinische Schrift angenommen hatten, setzte die tschechische Literatur im 13. Jahrhundert mit religiösen (Wenzellied), im 14. Jahrhundert mit höfischen und didaktischen Reimdichtungen ein und erreichte einen Höhepunkt in den Prosaschriften von P. Chelcický, J. Blashoslav, dem Übersetzer des Neuen Testaments in der "Kralitzer Bibel" (1579-1593), und J. A. Comenius (Komenský). Im Anschluss an die deutsche Romantik bewirkten eine Wiederbelebung des nationalen und literarischen Lebens u. a. der Lexikologe J. Jungmann, K. J. Erben mit Volksliedsammlungen, E. L. Celakovkský mit volksnaher Lyrik und der Romantiker K. H. Mácha.Mit Dorfnovellen leitete Božena Nemocová von der Romantik zum Realismus über und zur Vorherrschaft der Prosa mit volkstümlicher, sozialer und historisch-nationaler Thematik, wie sie nach 1848 besonders J. Neruda, S. Cech, A. Jirásek, Z. Winter pflegten. In der Folgezeit begann z. B. bei J. Zeyer und J. Vrchlický . die Hinwendung der tschechischen Literatur zur europäischen Entwicklung; sie wurde vollends erreicht um die Jahrhundertwende in der "Moderne"; A. Sova gehört zum Symbolismus, zum Surrealismus neigten V. Vancura und V. Nezval. Expressionistisches findet sich bei J. Wolker, der außerdem ebenso wie dann auch I. Olbracht und Marie Majerová die proletarische Dichtung vertrat. Nach 1948 wurde der sozialistische Realismus gefördert; mit der Abwendung vom Dogmatismus seit 1956 setzte eine lebendige literarische Entwicklung ein (J. Seifert; B. Hrabal; M. Kundera; V. Linhartova; die Dramatiker P. Kohout; V. Havel); seit dem Ende des Prager Frühlings (1968) wurden die kritischen Autoren unterdrückt. Die Etablierung demokratischer Verhältnisse 1990 brachte einstmals dissidenten Autoren neue Anerkennung MusikIm 9. Jahrhundert wurde in Böhmen mit der Christianisierung die römisch-lateinische Liturgie eingeführt. Kurz darauf verbreitete sich die slawische Liturgie. Die tschechische Kirchenmusik erlebte neue Anregungen z. Z. der Hussitenbewegung, die jedoch das Aufblühen der mehrstimmigen Musik bis ins 16. Jh. verzögerte, bis der Prager Hof zu einem Zentrum der Musikpflege wurde und flämische, englische, deutsche, französische und italienische Meister der Zeit heranzog sowie auch tschechische Komponisten: J. T. Turnovský, J. Rychnovský, K. Harant. Am Ende des 17. und besonders im 18. Jh. überwog der italienische Stil, aber wiederum erscheinen die Namen einheimischer Komponisten: F. Brixi und L. Koželuch, J. Stamitz, F. X. Richter, F. und G. Benda, J. L. Dussek, die z. T. auch in Deutschland wirkten.Erst in den das Vaterland besingenden sinfonischen Dichtungen B. Smetanas und seiner zur tschechischen Nationaloper gewordenen "Verkauften Braut" wie auch in A. Dvoráks Werk brach sich im Rückgriff auf die folkloristische Musik das nationale Element Bahn. In L. Janácek wuchs mit seiner Oper "Jenufa" ein international bedeutender betont nationaler Meister, der besonderen Wert auf die Sprachmelodie legte. Neben ihnen stehen R. Karel, J. Suk, O. Ostrcil, K. B. Jirák und die Schüler Nováks, u. a. V. Štepán und J. Cikker. Bedeutung für die Moderne erlangten der vielseitige B. Martinu, A. Hába mit seiner Vierteltonmusik und die im Konzentrationslager ums Leben gekommenen Komponisten Hans Krása und E. Schulhoff. Vertreter der sog. Neuen Musik, die sich mit Problemen avantgardistischer Musik beschäftigen, sind u. a. Miloslaw Kabeléc, Jan Kapr, Zbynek Vostrák, Jan Novák, Jan Tausinger, Viktor Kalabis (* 1923), Marek Kopelent (* 1932) und Jan Klusák (* 1934). Nach 1968 suchten Komponisten Rückzugsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Kirchenmusik, in der Arbeit mit Kinderchören (P. Eben), bei Film- und Fernsehproduktionen (L. Fišer) oder emigrierten, wie der seit 1969 in den USA lebende P. Kotík. In den 1990er Jahren beschäftigten sich P. Kofron und M. Smolka mit der Üertragung von Bildern in musikalische Klänge Bilder: © Monika Frunzke