Slowenien
Hauptstadt:
Ljubljana
Slowenien war als jugoslawische Teilrepublik schon immer anders als das übrige
Jugoslawien und galt auch innerhalb der Föderation als Vorbild: Es war die
höchstentwickelte Republik mit dem besten Lebensstandard und der niedrigsten
Arbeitslosenquote. Mit knapp 2 Millionen Einwohnern stellte Slowenien zwar nur
9% der jugoslawischen Bevölkerung, erwirtschaftete jedoch fast 19% des
Bruttosozialprodukts der Föderation und erzeugte 20% ihrer Industrieproduktion.
Im Norden erheben sich die bewaldeten, niederschlagsreichen
Julischen Alpen (im Triglav 2863 m) und die Karawanken. Südöstlich schließen sich
Hügelländer an, die von fruchtbaren Tälern und Becken aufgegliedert sind. Der
Westen wird von stark verkarsteten, waldarmen Gebirgen mit zahlreichen
Tropfsteinhöhlen eingenommen. Südlich von Triest hat Slowenien einen kleinen
Anteil an der Adriaküste.


Während die Adriaküste mit ihren trockenheißen
Sommern schon zum Mittelmeerklima überleitet, gehört der überwiegende Teil des
Landes zur kühlgemäßigten Klimazone.
Rund 88% der Bewohner sind Slowenen, 3% Kroaten und 2% Serben,
der Rest setzt sich aus Ungarn, Makedoniern und anderen Minderheiten zusammen.
Vor 1945 gab es auch starke italienische und deutsche Bevölkerungsanteile. Die
Slowenen gehören überwiegend der römisch-katholischen Kirche an.
Ihre Sprache, wenngleich dem Serbo-Kroatischen verwandt, aber dennoch
eigenständig, bringt sie in natürliche Distanz zu den anderen Nationen. Auch die
Religion - die Slowenen sind ebenso wie die Kroaten katholisch - trennt sie von
der Mehrzahl der jugoslawischen Völker. Slowenien war bis 1918 Teil des
Habsburger Reiches.

Für den Fremdenverkehr sind neben der Hauptstadt Ljubljana die zahlreichen
Heilbäder und Kurorte, die Wintersportgebiete (vor allem Kranjska Gora), die
Karsthöhlen (Adelsberger Grotte u. a.) sowie die Seebäder an der Adria von
Bedeutung.
In dem relativ dichten Verkehrsnetz überwiegen
Nord-Süd-Verbindungen. Ljubljana und Maribor verfügen über die wichtigsten
Flughäfen. Für den Außenhandel ist der Adriahafen Koper von Bedeutung.
In
der Hauptstadt Ljubljana leben 270 000 Einwohner. Hier
gib es seit 1919 eine Universität, einen barocken Dom
aus dem 18. Jahrhundert, einen Bischofspalast, eine Ordensritterkirche.
Ansehenswert ist auch das Schloss und der Park
Radetzky. An Industrie findet man hier die Papier-, Elektro-, chemische u. a. Industrie
und den Fahrzeugbau.

Flugschanze
in Planica
Um 34 v. Chr. entstand hier die
römische Kolonie Emona,
im 6.
Jahrhundert entwickelte sich an dieser Stelle eine slowenische Siedlung, die sich1220 zur
Stadt entwickelte. Diese fiel 1335 an Habsburg, im 19.
Jahrhundert war hier das Zentrum der Nationalbewegung der Slowenen zu finden.
Von 1918-1991war die Stadt
jugoslawisch.
Kunst
Die künstlerische Entwicklung der Slowenen ist weitgehend durch
die Nachbarn im Norden und Westen geprägt. Romanische und gotische Bauten und in
noch stärkerem Maße die slowenische Barockarchitektur weisen auf das
österreichische Vorbild hin. Das gleiche gilt für die Malerei, die, zumal seit
dem 17. Jh., ihre wichtigsten Impulse aus Österreich empfing. So war
auch im 19. Jh. Wien war Vorbild für eine klassizistische und historische
Architektur. In der bildenden Kunst orientierte sich die slowenische Kunst am
französischen Realismus und Impressionismus. Die Architektur und bildende Kunst
des 20. Jh. ist beeinflusst von internationalen Strömungen.
Literatur
Die slowenische Literatur beginnt in der Reformationszeit (P.
Trubar). Eine große sprachschöpferische Leistung war die
slowenische Bibelübersetzung des J. Dalmatin; M. Pohlins
philologische Schriften bemühten sich um die Ausformung der Muttersprache. Zum
Begründer des slowenischen Theaters und Lustspiels wurde A. Linhardt.
Eine slowenische Literatur im engeren Sinn setzte während der Romantik ein,
begründet durch das Schaffen des Lyrikers F. Prešeren, eines Freundes von
A. Grün. In der 2. Hälfte des 19. Jh. entwickelte sich eine
dem Realismus verpflichtete Erzählliteratur (F. Levstik, J. Stritar und I. Tavcar), die im Schaffen von J.
Jurcic ihren Höhepunkt fand. Eine Brücke zur liberalen westeuropäischen
Literatur schlug A. Aškerc mit seinen z. T. sozialkritischen Werken.
Wichtigste Vertreter der Moderne sind I. Cankar und die Lyriker O. Zupancic, J.
Murn-Aleksandrov und D. Kette. Nach dem 1. Weltkrieg suchte die
slowenische Literatur Anschluss an den Expressionismus (S. Kosovel). Die
in den 1930er Jahren gepflegte sozial ausgerichtete Prosa von V. Prežihov
und M. Kranjec mündete nach 1945 in den sozialistischen Realismus ein (A.
Ingolic, B. Kreft, M. Bor).In den 1980er Jahren wurde der
Stalinismus besonders in der Memoirenliteratur aufgearbeitet (B. Hofman),
während Autoren der Postmoderne neben dem Roman vor allem die Kurzprosa pflegten
(D. Jancar, J. Detela). Bedeutende Vertreter der
Gegenwartsliteratur sind R. Seligo und F. Lipus.
Bilder:
© D.Winkler / Fam. Frunzke