Slowakei
Hauptstadt:
Bratislava
Die
Slowakei liegt in Mitteleuropa. Im Norden grenzt sie an
Polen, im Osten an die Ukraine, im Süden an Ungarn,
im Westen an Österreich und die Tschechische Republik. Sie umfasst 49 035 km²,
davon sind 41% Wald.
Der Westen und Osten des Landes wird vorwiegend von Berg- und
Hügellandschaften mit breiten Flusstälern und zwischengelagerten Becken
eingenommen. Im Norden erhebt sich das waldreiche Hochgebirge der Hohen Tatra
(in der Gerlsdorfer Spitze 2654 m). Nach Süden schließen sich die Niedere
Tatra und das Slowakische Erzgebirge an. Im Süden hat das Land Anteil an der
fruchtbaren Pannonischen Tiefebene.
Es herrscht subkontinentales Klima mit
warmen Sommern und kalten Wintern. Die durchschnittlichen Jahresniederschläge
schwanken zwischen 650 mm in der Donauniederung und 1700 mm in der Hohen
Tatra.
Die Slowakei ist ein überwiegend bergiges und waldreiches Land.
Der äußere Gebirgsbogen im Westen und Norden umfasst die stark gegliederten
Westkarpaten und die langgestreckten Sandsteinketten der Beskiden. Die Kernzone
besteht aus der Niederen Tatra und dem Hochgebirge der Hohen Tatra mit dem
höchsten Berg, der Gerlsdorfer Spitze (2655m), sowie der Großen und der Kleinen
Fatra. Die zerklüfteten Felsen und Hochwälder mit ihren zahllosen Bergbächen
waren das Reich des "guten Räubers" Jurai Janošik, der in zahlreichen alten
slowakischen Volksliedern noch immer weiterlebt. In der Hohen Tatra sind die
sogenannten Meeraugen ein besonderes Erlebnis kleine, kristallklare Seen,
umsäumt von steil aufragenden Felsen. Im Slowakischen Erzgebirge südlich der
Tatra, das zuerst durch deutsche Bergleute erschlossen wurde, werden Eisen,
Magnesit und Antimon gewonnen. Im äußersten Süden reicht die Slowakei bis an die
Donau und hat mit einem schmalen Saum Anteil an der Pannonischen Tiefebene. Die
fruchtbaren Lößböden haben das Tiefland zur Kornkammer der Slowakei werden
lassen. Die früher häufig überschwemmte Große Schüttinsel ist heute ein weiter
Garten mit Obst- und Gemüseanbau geworden.
Mit 110 Ew./km² ist die Slowakei wesentlich dünner besiedelt
als die Tschechische Republik. Die Bevölkerung konzentriert sich vor allem auf
die Hauptstadt Preßburg (Bratislava) im Südwesten des Landes, die über 450000
Einwohner zählt. Preßburg, die einstige Krönungsstadt der ungarischen Könige,
ist mit seinen zahlreichen Hochschulen und den gut erhaltenen mittelalterlichen
Gebäuden das Kulturzentrum des Landes. Durch die Lage an der Donau in der Nähe
des Dreiländerecks Slowakei, Österreich, Ungarn kommt der Stadt auch als
Verkehrsknotenpunkt große Bedeutung zu.
Die Slowaken stellen mit 4,6 Millionen Menschen 86% der
Gesamtbevölkerung. Stärkste Minderheit sind die 569000 Ungarn, die vorwiegend im
Süden des Landes leben. Neben rund 86000 Sinti und Roma leben noch Tschechen,
Ukrainer und Russen in der Slowakei. Nur 57%
der Einwohner leben in Städten. Die Volkskultur der Slowaken, die wie auch
die Polen, Tschechen und Sorben zur westslawischen Völkergruppe gehören,
zeichnet sich durch eine reiche, bunte Volkstracht und vielfältig entwickelte
Figurentänze aus.
Traditionsgemäß spielt die Landwirtschaft in der Slowakei noch
eine relativ große Rolle. Sie beschäftigt ca. 9% der Erwerbstätigen und nutzt
die fruchtbaren Böden der Tiefebene für den Anbau von Getreide, Gemüse,
Sojabohnen und Tabak. An den Hängen des hügeligen Vorlandes herrschen Wein- und
Obstbau vor. In den höher gelegenen Landesteilen dehnen sich Hochweiden aus mit
Rinder- und Schafzucht. Die Wälder der Gebirgsregionen sind wichtige
Holzlieferanten und Anziehungspunkte für einen zunehmenden Fremdenverkehr.
Dem Eisenbahnverkehr kommt noch eine relativ große Bedeutung
zu. Durch die Lage an der Donau in der Nähe des Dreiländerecks Slowakei,
Österreich, Ungarn ist die Hauptstadt Bratislava (mit internationalem Flughafen)
der wichtigste Verkehrsknotenpunkt des Landes.
Die Slowakei ist zum ersten Mal in ihrer tausendjährigen
Geschichte ein unabhängiger Staat. Bis 1918 gehörte sie zu Ungarn, danach war
sie der "Juniorpartner" in der von den Tschechen dominierten Tschechoslowakei.
Die Pseudosouveränität der Jahre 1939-1945 unter deutscher "Schutzherrschaft"
war alles andere als Unabhängigkeit. So hat es die Slowakei ungleich schwerer
als die Tschechische Republik, ihre Staatlichkeit zu organisieren. Immerhin ist
das institutionelle Gerüst seit der "Föderalisierung" von 1960 vorhanden. Am
17.7.1992 hat sich die Slowakei für souverän erklärt, und am 2.9.1992 hat sie
sich eine Verfassung gegeben.1993 wurde sie unabhängig. Seit 2004 ist das Land Mitglied der
Europäischen Union und der NATO.
Literatur
Die Anfänge der slowakischen Literatur lagen in der
Reformationszeit. J. Silván paraphrasierte die Psalmen Davids, J.
Tranovský veröffentlichte eine Sammlung evangelischer Kirchenlieder.
Vergeblich bemühte sich Antonin Bernolák, das Westslowakische zur
Literatursprache zu erheben, J. Hollý und J. Kollár versuchten den Slowaken ihre nationale und kulturelle
Eigenständigkeit bewusst zu machen. Erst L. Štúr legte die Fundamente der
modernen Literatur auf der Basis der romantischen Ideale von einheitlicher
Sprache und Dichtung. Die Romantik selbst wurde u. a. vertreten durch die
Lyriker J. Král, durch S. Chalupka und A. Sládkovic. Den
ersten slowakischen Roman schuf 1860 J. Kalinciak. Ihnen folgten als
Vertreter des Realismus der Lyriker S. Hurban-Vajanský und P. Országh-Hviezdoslav, die in ihren Romanen soziale Themen
behandelten, sowie auf dem Gebiet der Novelle M. Kukucín. Die slowakische
"Moderne" widmete sich psychologischen Themen, so bei den Lyrikern J.
Jesenský, O. Žarnov, V. Roy und in den expressionistischen
Romanen von J. Hrušovský. Surrealistische Elemente zeigten S. Záry
und R. Fabry. Zur katholischen Moderne gehört E. B. Lukác, I.
Stodala schrieb erfolgreiche Gesellschaftsstücke. Autoren des
Realsozialismus waren P. Jilemnický und F. Hecko; die Literatur
der heutigen Slowakei ist in eine staatlich organisierte und eine
alternativ-unabhängige gespalten; zu Letzterer gehören u. a. I. Strpka,
M. Haugová, I. Brezná, P.
Karvas.