Schweden
Hauptstadt:
Stockholm
Schweden ist das größte Land Skandinaviens. Trotz seiner fast
inselartigen Lage ist Schweden doch aufs engste mit den übrigen europäischen
Ländern verbunden. Besonders eng sind die Beziehungen natürlich zu den
unmittelbaren Nachbarn in Nordeuropa,
Norwegen und Finnland. Mit ihnen hat Schweden die große Nord-Süd-Erstreckung, die geringe
Besiedlungsdichte und die ungleiche Verteilung der Bevölkerung innerhalb des
Landes gemeinsam. Gemeinsam ist auch die Notwendigkeit, sich mit den
Lebensbedingungen der teilweise noch als halbnomadische Rentierzüchter lebenden
Samen (Lappen) auseinanderzusetzen. Mit Norwegen und Dänemark ist Schweden durch sprachliche und
kulturelle Verwandtschaft sowie durch die Staatsform der parlamentarischen
Monarchie verbunden.
Der größte Teil Schwedens gehört zusammen mit Finnland und dem
südlichsten Norwegen zum ältesten Teil Europas, dem Baltischen Schild. Selbst
die wesentlich jüngeren Gesteinsschichten des mittleren Erdaltertums, die im
westlichen Mittelschweden um Östersund, vereinzelt auch in Südschweden und auf
den Inseln Gotland und Öland die Landoberfläche bilden, sind weitaus älter als
der größte Teil des übrigen Europa. Typische Gesteine des Baltischen Schildes
sind Gneise und Granite, meist schwarzweiß gebändert bzw. gesprenkelt. Die Gebirgsketten entlang der Grenze zu Norwegen, Kjöl
oder Skanden genannt, bilden die Reste der kaledonischen Faltung. Seit ihrer
Entstehung im Erdaltertum fast vollständig abgetragen, erhielten sie ihre
jetzige Gestalt und Höhe durch die Eiszeiten und die Landhebung während des
Tertiär.
Vom Gebirgsmassiv, dessen höchste schnee- und eisbedeckte
Gipfel über 2000m aufragen, fällt das Land sanft in Richtung Bottnischer
Meerbusen ab. Den letzten Schliff - auch im wörtlichen Sinne - erhielten die
Landschaften Schwedens durch die Vergletscherung in den Eiszeiten. Zusammen mit
Finnland gehörte chweden zum Nährgebiet der riesigen Inlandeismassen, die
mehrfach von hier bis nach Mittel- und Westeuropa vorstießen. Dabei wurde die
Landoberfläche durch den Druck des sich langsam bewegenden, bis zu 3600m
mächtigen Eises abgetragen und modelliert.
Gut erkennbar sind in Mittelschweden einzelne Rückzugsphasen
der letzten Eiszeit. Weit verbreitet, insbesondere nördlich des Mälaren, sind
oft zu kilometerlangen Rücken aufgeschüttete Ablagerungen aus Schotter und Sand.
Vom Gletscherwasser mitgerissen, setzten sie sich in den Spalten des Eises fest
und blieben nach dessen Abschmelzen als langgestreckte Wälle zurück. Im Abtragungsbereich wurde das feste Gestein vom Eis oft zu
buckeligen Felsklötzen abgeschliffen. Wo durch das spätere Vordringen der Ostsee
diese Rundhöcker teilweise vom Wasser überflutet wurden, entstand ein kaum
überblickbares Gewirr kleiner und kleinster Felsinseln, die Schären, vor der
Ostküste Mittelschwedens. Die meisten der unzähligen Seen Schwedens verdanken
ihre Entstehung ebenfalls den Eiszeiten.
Klimatisch ist Schweden gegenüber anderen Gebieten gleicher
Breitenlage begünstigt. Zwar ist der Ostseeraum durch die norwegischen Gebirge
vom Atlantik abgeschirmt, doch der mildernde Effekt des ozeanischen Klimas wirkt
sich dennoch auch in Schweden aus. Von Süden nach Norden wird das Klima
kontinentaler, d.h. die Gegensätze zwischen den oft recht warmen Sommern und den
in Lappland bitterkalten Wintern werden größer, während Schnee- und Regenmengen
in gleicher Richtung abnehmen.
Eine Besonderheit bildet die der Südostküste
vorgelagerte Insel Öland, wo weitaus weniger Niederschlag fällt als in den
anderen schwedischen Landesteilen. Da der Untergrund der Insel zudem aus
durchlässigem Kalkgestein besteht, in dem Wasser schnell versickert, kann Öland
zu Recht als eine "Trockeninsel" bezeichnet werden.
Die
Pflanzenwelt zeigt in Schweden wenig Artenreichtum. Der Großteil des Landes ist von Nadelwald
bedeckt. Nach Norden wird der Baumbestand immer lichter, machen die Fichten und
Kiefern kümmerlichen Birken Platz, bis baumlose Fjellheide und kahle Tundra die
gleichförmige Landschaft prägen. Für Südschweden, wo das
Klima auch der Eiche und Buche noch Lebensmöglichkeiten bietet, ist Mischwald
charakteristisch. Doch hier wurde durch Rodungen Siedlungsland gewonnen und die
natürliche Vegetation mehr oder minder stark verändert. Aber auch im Norden ist
unberührter "Urwald" nur noch vereinzelt zu finden und steht dann meist unter
Naturschutz.
Die Bevölkerung besteht fast nur aus Schweden, neben Finnen
(rund 222000) und rund 20000 Samen im Norden. Die Zahl der in Schweden
lebenden Ausländer liegt mittlerweile bei 593000. 85% gehören der
evangelisch-lutherischen Kirche an. Etwa 83% leben in Städten, viele im Nahbereich
der großen Städte Stockholm, Göteborg und Malmö.
Das nur in Mittel- und Südschweden enge Verkehrsnetz umfasst
211000 km überörtliche Straßen und 11500 km Eisenbahnen; über zahlreiche
Fähren hat das Verkehrsnetz Anschluss an die Nachbarländer. Durch den Bau einer
16 km langen Brücke über den Öresund besteht erstmals seit 2000 eine feste
Verbindung zwischen Schweden und Dänemark und darüber hinaus mit
Kontinentaleuropa. Die wichtigsten Häfen sind Göteborg, Stockholm, Helsingborg,
Malmö und Luleå. Die größten Flughäfen sind Bromma und Arlanda bei Stockholm,
Torslanda bei Göteborg und Bulltofta bei Malmö.
Stockholm
ist
die Hauptstadt Schwedens. Sie hat viele Beinamen,
die die
enge Verbindung zwischen Stadt und iWasser hervorheben,
"Stadt zwischen den Brücken", "Stadt, die auf dem Wasser
schwimmt", oder gar "Venedig des Nordens" - alle heben die
enge Verbindung zwischen Stadt und Wasser hervor. Einst auf fünfzehn Inseln
erbaut, hat sich die schwedische Hauptstadt schon längst auf die benachbarten
Ufer ausgedehnt. Im Wechselspiel des Lichts vermischen sich in der nordischen
Metropole Wasser, Wald und Fels sowie die farbenfrohe und formenreiche
Architektur verschiedenster Epochen zu einer einmaligen Atmosphäre. Der Eindruck
einer grenzenlosen Landschaft wird durch die unzähligen Inseln des
Schärensaumes, die Stockholm im Osten umgeben, noch unterstrichen. Überall ist
ein Hauch von Ostsee spürbar, doch noch näher als das Meer liegt der Mälarsee im Westen der Stadt.
Das Gebiet des Mälaren ist das historische
Kernland Schwedens. Der Norrström, der "kürzeste Fluss der Welt", ermöglichte
den Bootsverkehr zur Saltsjön, einer Meeresbucht der Ostsee. Wo sich der Fluss
gabelt, liegt auf der Insel Stadsholmen der älteste Kern Stockholms. Hier wurde
die Fracht von flachen Booten, die den Mälaren befuhren, auf größere, seegängige
Schiffe umgeladen.
Die früheste Geschichte der Ansiedlung verliert sich jedoch im
Dunkel der Sage. 1252 erhielt Stockholm das Stadtrecht, und zugleich wurden
Kaufleuten der Hansestadt Lübeck Schutz und Steuerfreiheiten gewährt. Zwar wurde
Stockholm keine Niederlassung der Hanse, doch der Einfluss der deutschen
Kaufmannschaft war bis ins 16. Jh. hinein sehr groß. Ein Gesetz aus dem
Jahre 1350 legte sogar fest, dass die Hälfte der sechs Bürgermeister und 30
Ratsherren Deutsche sein mussten. Viele Gassennamen, Namen von Höfen und kleinen Plätzen sowie
Gebäudenamen wie die Tyska kyrkan (Deutsche Kirche) erinnern heute noch an jene
Zeit. Mit Schwedens Aufstieg zur europäischen Großmacht wuchs auch
die Bedeutung Stockholms, das seit 1634 ständige Haupt- und Residenzstadt des
Königreiches wurde.
Heute hat die schwedische Handels- und Kongressstadt über
755 000 Einwohner. Bezieht man die Bevölkerung der benachbarten Gemeinden ein,
so kommt man auf 1,5 Millionen Menschen. Die überregionale kulturelle Stellung
der Stadt, die Sitz eines lutherischen und eines römisch-katholischen Bischofs
ist, dokumentieren die Universität, zahlreiche Hochschulen, wissenschaftliche
Institute und Bibliotheken wie die Königliche Bibliothek, die in den 1920er
Jahren fertiggestellt wurde, ferner die Nobel-Stiftung, die Königliche Oper,
mehrere Theater und über 50 Museen. Zu den bedeutendsten Museen gehört das
Nationalmuseum sowie das Freilichtmuseum Skansen.
Zu den ältesten noch erhaltenen Gebäuden Stockholms gehören die
Storkyrkan und die Riddarholmskirche aus dem 13. Jahrhundert, ein fünfschiffiger
Dom und Grabstätte schwedischer Könige. Die meisten historischen Baudenkmäler
stammen aus dem 16. bis 18. Jh., darunter auch das barocke Riddarhuset
und das monumental wirkende Königliche Schloss, das 1697 durch einen Brand
zerstört worden war und erst im 18. Jh. wieder aufgebaut wurde. Eine
rege Bautätigkeit in der zweiten Hälfte des 19. Jh. ließ zahlreiche
öffentliche Gebäude entstehen. Zu den bedeutendsten Bauwerken der Moderne gehört
das Rathaus, das Wahrzeichen
Stockholms.
Schwedischer König ist seit 1973 Karl XVI. Gustav aus dem Hause Bernadotte.
Er repräsentiert zwar Schweden im In- und Ausland, das
entscheidende politische Organ des Landes ist jedoch der Reichstag. Das
Königreich Schweden ist seit 1917 eine konstitutionelle Monarchie auf
demokratisch-parlamentarischer Grundlage. Seit Mitte des 19. Jh.
verfolgt das Land eine Politik strikter Neutralität, die bis zum heutigen Tag
verhindert hat, dass es in Kriege hineingezogen wurde.
In einem
Referendum entschied sich die Bevölkerung gegen die Einführung des Euro.
In jedem Jahr seit 1901 wird in der norwegischen Hauptstadt
Oslo der Friedensnobelpreis an diejenigen verliehen, die in den Augen der Jury
die bedeutendsten Beiträge zum Weltfrieden geleistet haben. Die Kandidaten für
den Preis werden von einem internationalen Komitee ausgewählt. Weitere Nobelpreise werden in Stockholm für die größten
Leistungen auf den Gebieten der Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin,
Literatur und (seit 1969) der Wirtschaftswissenschaften verliehen. All diese
Preise haben großes internationales Prestige, doch der Friedensnobelpreis ist
wohl der bedeutendste. Dennoch liegt dem Nobelpreis ein faszinierendes Paradox
zugrunde. Sein Schöpfer, der schwedische Erfinder und Großgeschäftsmann Alfred
Nobel (1833-1896), war der Erfinder des hochexplosiven Dynamits und anderer
chemischer Explosivstoffe und wird allgemein als der Vater von Schwedens
blühender Rüstungsindustrie angesehen. Trotz seiner Neutralitäts- und
Bündnisfreiheitspolitik hat Schweden eine bedeutende Rüstungsindustrie und zählt
zu den größten Rüstungsexporteuren der Welt. Dies ist großenteils der
industriellen Hinterlassenschaft von Nobel selbst zu verdanken. Inzwischen hat
Schweden einen guten Ruf als Förderer von Frieden und Abrüstung, als Anlaufpunkt
für Flüchtlinge und Asylbewerber sowie als äußerst großzügiger Geldgeber für die
Länder der Dritten Welt.
Kunst
Architektur, Plastik, Malerei und Kunsthandwerk Schwedens sind
Teilgebiete der germanischen Kultur und der skandinavischen Kunst. Hauptwerke der Kunst der Germanenzeit sind Beigaben von
Schiffsgräbern (Waffen, Schmuck) vor allem aus dem 7. und 8. Jh. Reiche
Beigaben enthielten auch die Königshügel von Alt-Uppsala. Eine eigenständige
schwedische Kunst mit nationalen Merkmalen entwickelte sich erst nach der spät
erfolgten Christianisierung des Landes.
Baukunst
Der romanische Dom von Lund schließt an dänische Vorbilder an,
während der seit 1270 errichtete Dom von Uppsala hauptsächlich von französischen
Kirchenbauten des 13. Jh. beeinflusst ist. Im 14. und 15. Jh.
bestimmten die norddeutsche Backsteingotik und, besonders auf Gotland, die westfälische
Hallenkirchen die schwedische Sakralarchitektur maßgeblich, in der als
eigenständiger Sondertyp kleine Rundkirchen erschienen. Die Renaissance- und
Barockarchitektur Schwedens orientierte sich an lombardischen Vorbildern, soweit
nicht deutsche und niederländische Baumeister den Stil ihrer Heimat in Schweden
weiterentwickelten. Erste größere Renaissancebauten des 16. Jh. sind
die Schlösser Gripsholm, Vadstena und Kalmar. Durch holländische und
französische Architekten vermittelt, wurde der palladianische Klassizismus im
17. Jh. der Hauptstil repräsentativer Bauten (Schloss Drottningholm), vertreten vor allem von Jean de la Vallée und N. Tessin d. Ä., während N. Tessin d. J. sich zum italienischen Barock bekannte und den
neuen Stil erfolgreich durchsetzte.
Dem Klassizismus folgten im 19. Jh. Rückgriffe auf
historische Stile. Erst Carl Bergsten überwand diese in die Vergangenheit
gewandte Form, nachdem bereits um 1890 G. F. Boberg erste Schritte zu funktionaler Bauweise unternommen hatte.
Die Verbindung zwischen traditionellem Backsteinbau und Gerüstkonstruktion
suchte die um C. Westman und Erik Hahr gesammelte Architektengruppe des
"nationalen Realismus". G. Asplund u. a. setzten den an Le Corbusier, Mies van der
Rohe u. a. geschulten Funktionalismus durch, der das Ansehen der modernen
schwedischen Architektur im Ausland begründete und auch heute weitgehend die
Entwicklung des Bauschaffens in Schweden bestimmt. Seit 1945 machte sich eine
Neigung zu einem mehr organischen Bauen unter Einbeziehung der landschaftlichen
Umgebung und Verwendung von Naturstein und Holz bemerkbar. In den 1960er Jahren
entstanden einerseits technisch-funktionale Bauten im öffentlichen Raum und
andererseits traditionelle Bauten im kleineren Rahmen; dabei spielt die Nähe zur
Natur bis heute eine große Rolle. Nach der Wahl Stockholms zur Kulturstadt
Europas 1998 baute der Spanier J. R. Moneo 1994-1998 das Kunstmuseum und das Architekturmuseum. Für die
schwedische Botschaft in Berlin, die 1999 eröffnet wurde, entwickelte G.
Wingårdh die Pläne.
Plastik
In der schwedischen Bildhauerkunst des Mittelalters vermischte
sich der expressive Stil der heidnischen Tier-Ornamentik mit christlichen
Motiven. Die Plastik, meist Holzskulptur, folgte stilistisch zunehmend der Kunst
der Hansestädte. Seit dem Ende des 14. Jh. überwogen englische und
französische Einflüsse. Im 16./17. Jh. wuchs der Anteil der
niederländischen Kunst; Hauptwerke sind die von Willem Boy geschaffenen
Grabmäler für Gustav Wasa und seine Familie (1576) im Dom zu Uppsala. Das 18.
Jh. stand im Zeichen des französischen Rokokos. J. T. Sergel vollzog um 1800 die Wendung zum Klassizismus, der bis zur
Mitte des 19. Jh. vorherrschte und in den Arbeiten von J. L. H.
Börjeson und P. Hasselberg einem wiederum französisch orientierten
Realismus wich. Hauptmeister der schwedischen Bildhauerkunst im 20. Jh.
war C. Milles. Nach dem 2. Weltkrieg gab es abstrakte und gegenständliche
Tendenzen in der Plastik, die sich gegen Ende des 20. Jh. in der Gattung der Installationen
auflösten.
Malerei
Aus dem Mittelalter sind von einheimischen Künstlern
ausgeführte Wandmalereien erhalten (13.-15.Jh.), die aus der gleichen
Zeit stammenden Werke der Tafelmalerei jedoch sind meist Import aus Deutschland.
Auch im 16. und 17. Jh. wurden vielfach Deutsche zur Maltätigkeit in
Schweden herangezogen; im Übrigen war der Geschmack weitgehend von der
gleichzeitigen niederländischen Malerei bestimmt. Die Porträtmalerei überwog
alle übrigen Gattungen. Im Rokoko erreichte Schweden mit den Werken von A. Roslin und G. Lundberg internationales Niveau. Der Romantik im 19. Jh. folgte eine volkstümliche
Schule, wobei meist die Düsseldorfer Akademiemalerei vorbildlich war. Maler wie
A. Wahlberg, G. Rydberg und G. O. Björk orientierten sich
später an der Pariser Schule. Zu
internationalem Ruf, auch als Grafiker, brachte es A. Zorn, das geistige Haupt der impressionistischen "Pariser
Schweden". C. W. Wilhelmson entwickelte um die Jahrhundertwende eine
heimatverbundene Variante des Jugendstils. Die moderne schwedische Malerei
schließt sich eng an die internationalen Stilbestrebungen an. Heute sind alle
zeitgenössischen Strömungen in der schwedischen
Malerei vertreten.
Literatur
Die Geschichte der schwedischen Literatur setzt erst im 13.
Jh. ein, da außer einigen Runeninschriften aus dem 4. Jh. keine
altschwedischen Sprachdenkmäler erhalten sind. Das früheste Zeugnis schwedischer
Literatur im Geist der christlichen Mystik sind die Schriften der hl.
Birgitta von Vadstena. Französischer Einfluss verdanken Ritterepen ihre
Entstehung, Balladen finden sich in Volksbüchern des 15./16. Jh.
Der Reformator und Lutherschüler O. Petri schuf eine Chronik und übersetzte das Neue Testament. Mit O.
Rudbeck und Johannes Messenius, der auch Dramen verfasste,
erlangte die Geschichtsschreibung Bedeutung. Renaissancepoesie schuf Skogekär
Baergbo (17. Jh.), mit dem humanistisch gebildeten Georg Stiernhielm begann die Kunstdichtung in schwedischer Sprache.
Volkstümliche Lieder entstanden neben von Frankreich inspirierter Poesie. O. Dalin versuchte schwedische Gegenstücke zum französischen
klassizistischen Epos, einflussreich war seine Prosa. Wichtigste Vertreterin der
Aufklärung war Anna Maria Lenngren.
Nach der Abdankung König Gustavs IV. Adolfs kam eine national
gesinnte Romantik, wenn auch in kurzer Zeitspanne, voll zur Entfaltung: P. D. A.
Atterbom schuf Sagenspiele; Gedichte und ein Sagenepos verfasste
der schwedische Klassiker E. Tegnér. Der von Schiller beeinflusste E. G. Geijer, der sich später dem Liberalismus zuwandte, und der in der
Spätromantik wurzelnde Erzähler und Sozialkritiker C. J. L. Almqvist betonten ebenfalls nationale Elemente. Das Werk des
Finnlandschweden J. L. Runeberg wurde finnische Nationaldichtung.
Zum Realismus führte der Lyriker C. Snoilsky. Im Mittelpunkt der kulturellen Umschichtungen am Ende
des 19. Jh. stand der vielseitige, im Naturalismus (wie E.
Ahlgren) beginnende, über den Symbolismus zum Expressionismus führende A.
Strindberg; neben ihm war der bedeutendste Dramatiker Tor Hedberg. Neuromantik und Neorealismus verflochten sich im Werk V.
von Heidenstams, im Schaffen Selma Lagerlöfs und O. Levertins.
Der Nobelpreisträger P. Lagerkvist mit seinem Streben nach "vereinfachter Form" wurde
Hauptvertreter des Expressionismus. Die schwedische Literatur des 20.
Jh. gestaltet sich sehr facettenreich, wobei soziale und psychologische
Themen bevorzugt im Mittelpunkt stehen. S. Dagermanns Erzählungen sind oft von alptraumhaften Bildern
erfüllt, P. O. Sundman bevorzugt den Stil des sachlichen Dokumentarberichts. Weltweit viel gelesene Kriminalschriftsteller sind das
Autorenduo M. Sjöwall und P. Wahlöö sowie H. Mankell; von den schwedischen
Jugendbuchautoren erwarben sich A. Lindgren und T. Jansson Weltruhm. Zum bedeutendsten schwedischen Dramatiker der
Gegenwart entwickelte sich L. Norén.
Musik
Die unter Gustav Wasa 1526 neu organisierte Hofkapelle,
das Konzertwesen unter Johan Helmich Roman, die Gründung (1772) einer
schwedischen Nationaloper und des Stockholmer Konservatoriums, des ältesten
außerhalb Italiens, mit einer Akademie der Musik (1771) unter Gustav III. zeigen eine reiche Musikpflege. Erste Meister der
schwedischen Oper waren J. G. Naumann (Deutscher) und J. M. Kraus, führender romantischer Komponist war F. A. Berwald. Zu Beginn des 20. Jh. schufen W. Stenhammar und H. Alfvén Symphonien und Orchesterwerke, K.
Atterberg vertrat eine spätromantisch-nationale Richtung, G. Nystroems Kompositionen folgten dem französischen Stil. Nach dem
2. Weltkrieg prägten u. a. K.-B. Blomdahl und G. A. Pettersson die neue schwedische Musik
und Komponisten wie B. Nilsson, A. Mellnäs oder J. Morthenson stehen für
eine stilistische Vielfalt. Vertreter der jüngsten Komponistengeneration sind
u. a. H. Gefors, J. Sandström oder K.
Rehnqvist.