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Sardinien im Tyrrhenischen Meer, durch die Straße von
Bonifacio vom französischen Korsika getrennt, ist ein Teil Italiens, eine autonome Region.
Der Name weckt Vorstellungen
von wilder Schönheit, von felsgesprenkelten Sandstränden an klarem Wasser und
sonnendurchglühten Fischerdörfern. Tatsächlich werden hier Träume wahr – die
Mittelmeerinsel bietet das alles und noch viel mehr. Es ist eine Insel voller Geheimnisse und widersprüchlicher Fremdheit. Man gerät unversehens wenige Kilometer von der Küste entfernt in unzugängliches Bergland, wo nur die Gesetze der Natur und das Recht des Stärkeren zu gelten scheinen. Man wird versöhnt durch den Anblick von Schafherden und silbernen Ölbäumen, wird durch die Nuragen, jene kegeligen Steinbauten und Wahrzeichen der Insel, zurückversetzt in eine über 3000 Jahre zurückliegende Zeit und sieht Korkeichen mit nackten, braunen Stämmen in sonnengelben Feldern. Auf einer Länge von 280 km und einer Breite von 145 km findet man eine schier unglaublich vielfältige Landschaft . Berge, Felsküsten, Wiesen, Laubwälder, Täler und Hochebenen sowie rund 1800 km Küste mit Stränden, Buchten und Fjorden brachten die Sarden auf den Gedanken, ihre Insel als einen eigenen Kontinent zu bezeichnen. Man erzählt sich, als Gott die Erde erschaffen hatte, habe er von jedem Teil der Welt noch einige Steine, Erde, Blumen, Büsche und Bäume übrig gehabt. Aus diesen habe er Sardinien geformt, ein wunderschönes Flickwerk, nicht nur vor den Augen des Herrn. Càgliari, italienische Hafenstadt an der Bucht von Càgliari, ist die Hauptstadt von Sardinien und der Provinz Càgliari, hier findet man eine Universität (1626); Schiffbau, Ausfuhr von Seesalz (Salzgärten) und Erzen; Tabak-, pharmazeutische und Möbelindustrie und eine Aluminiumhütte. Sardinien ist nicht stark gegliedert, die hafenarme Ostküste weist nach Italien, die Westküste ist die offenere. Die gebirgige, waldarme Insel (im Gennargentu-Massiv 1834 m) ist vorwiegend von Macchie bedeckt. Durch den Südwesten zieht die 20 km breite Ebene Campidano, die das erzreiche Bergland Iglesiente abtrennt; den Nordwesten nimmt das vulkanreiche Logudoro ein; im Norden gibt es Korkeichenwälder. Der oft nur mit künstlicher Bewässerung mögliche Ackerbau liefert Weizen, Wein, Südfrüchte, Mandeln und Öl; Schaf- und Ziegenhaltung; die Fischerei erbringt Sardinen, Langusten und Thunfisch. Sardinien ist reich an Zink und Blei, ferner an Mangan- und Antimonerzen. Trotz planmäßiger Industrialisierung wandern viele Bewohner ab. Der Fremdenverkehr dagegen wächst und es haben sich wohl auch schon Menschen aus anderen europäischen Staaten hier sesshaft gemacht. Sardinische Strände - das bedeutet glasklares, azur- bis smaragdblaues Wasser, feinkörniger weißer Sand, gegen das Hinterland geschützt durch Dünen und Pinienhaine, bedeutet, felsige und abgelegene Buchten und idyllische Verstecke zu erkunden, bedeutet, außerhalb des Massentourismus ungestört zu sein und endlos am Saum des Meeres spazieren zu gehen. Dazu steht, bedingt durch die starke Zerklüftung und den zahllosen Buchten, eine Küstenlinie von 1850 km zur Verfügung. ![]() Wasser und Strände sind wirklich sehr schön und auch sehr sauber. Nicht weniger typisch sind das türkis und kristallklar funkelnde Wasser und der goldene Sand der Strände. Hauptanziehungspunkte für die Urlauber sind die buchtenreichen Sandstrände der modern erschlossenen Costa Smeralda nördlich der Hafenstadt Olbia. Ein zweites, wesentlich älteres Fremdenverkehrszentrum befindet sich im Nordwesten der Insel mit dem Fischereihafen und Seebad Alghero als Mittelpunkt. Die Bevölkerung lebt noch weitgehend von der Landwirtschaft, dem Anbau von Getreide und Wein, Oliven und Obst, Gemüse und Tabak. Im Bergland werden Schafe und Ziegen gehalten. Die Sarden gelten als Experten für Viehzucht. Bekannt sind die sardischen Webereien und Stickereien, die sich in einer reichen Volkstracht, auch der Männer, niederschlägt. Seit langem versucht man, auch Industrie auf Sardinien anzusiedeln. Eine Besonderheit Sardiniens bilden die überall auf der Insel verstreut vorkommenden, rätselhaften Nuragen. Diese einzeln oder in Gruppen stehenden, gedrungenen Turmbauten sind aus großen Steinblöcken ohne die Benutzung von Mörtel aufgeschichtet und gehen zum Teil auf das zweite Jahrtausend v. Chr. zurück. Nach wie vor ist ungeklärt, ob sie als Festungsbauten, Wachtürme oder Grabstätten genutzt worden sind. Bei dem Ort Barumini im Süden Sardiniens befindet sich das bedeutendste, aus fast 400 Häusern bestehende Nuragendorf, das mit einem mächtigen, von Türmen umgebenen Zentralbau ausgestattet ist. Außerdem kann man hier auch Gigantengräber und Feenhäuser sehen, die aber nichts mit einer märchenhaften Vergangenheit zu tun haben. Auf der Insel siedelten schon früh Menschen, von denen das Volk der Nuraghen (2000–600 v. Chr.) die ungewöhnlichsten Spuren hinterließ. Die Zeugen ihrer Kultur sind einzigartig. Überall auf Sardinien erheben sich gewaltige, bis zu 20 m hohe konische Steintürme, mehr als 7000 solcher ebenfalls Nuraghen genannten Bauwerke wurden gezählt.Wahrlich riesig wirken auch die oft vornuraghischen Steinsetzungen, wie sie in großer Anzahl in der Gallura, vor allem um das Städtchen Arzachena, zu finden sind. Nicht umsonst werden sie im Volksmund Tombe dei Giganti, ›Gigantengräber‹, genannt. Um die gangartigen Sippengräber ranken sich allerlei Geheimnisse, und nicht wenige Inselbewohner vermuten eine heilsame Wirkung auf Seele und Körper. Eindrucksvoll sind schließlich auch die Domus de Janas, so genannte Feenhäuser. Es handelt sich um in Felsen geschlagene Grabstätten, die aus mehreren Kammern bestehen können und besonders eindrucksvoll in der Gegend um Macomer zu besichtigen sind. Tausende von Grotten haben sich in den karstigen Felsformationen der Insel gebildet. Sieben Tropfsteinhöhlen stehen Touristen zur Besichtigung offen. Die vielleicht schönste ist die Grotta Is Zuddas bei Santadi mit ihren von Mineralien bunt gefärbten Wänden. Dort hängen die Stalaktiten nicht einfach wie dicke Eiszapfen nach unten, sondern lösen sich in zarteste Kristallgebilde auf, die in alle Himmelsrichtungen zeigen. Dafür kann die Grotta di Ispinigoli bei Dorgali mit einem 38 m hohen Stalagmiten aufwarten, dem höchsten in Europa. Vor allem in der nordlichen Inselhälfte lockt eine unglaubliche Anzahl von Kirchen und Kapellen. Bilder: © Dieter Winkler
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