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 Russland

 

 

 

 

                   

         

 

 

 

 
Russland
Hauptstadt: Moskau (Moskwa)


Russland ist ein Land von kontinentalem Ausmaß. Es ist fast doppelt so groß wie die USA und erstreckt sich von der Ostsee und dem Schwarzen Meer im Westen über Osteuropa und Nordasien (Sibirien) bis zum Pazifischen Ozean im Osten. Zur Republik gehört auch die räumlich durch Litauen vom Hauptteil getrennte Oblast Kaliningrad (früher Königsberg), das nördliche Ostpreußen. Der Ural ist das Grenzgebirge zwischen Europa und Asien.

Russland, russisch Rossija, führte von 1918 bis 1991 als Teilrepublik der Sowjetunion den Staatsnamen Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik. Es ist Gründungsmitglied und größter Mitgliedstaat der 1991 gegründeten Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (Abkürzung GUS); auf Russland entfallen 77% der Fläche und 52% der Bevölkerung der GUS.
Auf dem Territorium Russlands bestehen für nichtrussische Nationalitäten 21 Teilrepubliken (mit eigener Verfassung und Gesetzgebung). Die übrigen Landesteile sind in 6 Regionen und 49 Gebiete sowie die beiden Bundesstädte Moskau und St. Petersburg gegliedert. Innerhalb dieser Verwaltungseinheiten bestehen für kleinere nationale Minderheiten ein autonomes Gebiet und zehn autonome Kreise. Im Jahr 2000 wurde darüber hinaus das gesamte Staatsgebiet in 7 übergeordnete föderale Bezirke eingeteilt
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Moskau

Die Natur des Landes
Die Russische Tafel der osteuropäischen Tiefebene ist das Kernland Russlands. Sie ragt nur in den flachwelligen Höhenrücken über die 200-Meter-Höhenlinie hinaus. Nach Osten wird sie vom 2000 km langen Uralgebirge begrenzt, das die orographische Grenze zwischen Europa und Asien bildet. Das Tafelland wird von der Wolga, dem längsten und wasserreichsten Fluss Europas, durchflossen. Östlich des Ural folgen das Westsibirische Tiefland bis zum Jenissej und weiter bis zur Lena das Mittelsibirische Bergland, ein durch viele Flüsse zertaltes Hochland, das im Süden vom Sajan und Baikalgebirge begrenzt wird. Zwischen dem Baikalgebirge und den Gebirgsländern Transbaikaliens ist der lang gestreckte Baikalsee eingebettet, der mit 1637 m tiefste See der Erde, der zugleich das größte Süßwasserreservoir der Erde ist.

Östlich der Lena erstreckt sich das Ostsibirische Gebirgsland. Die vulkanreiche Halbinsel Kamtschatka, die Inselkette der Kurilen und Sachalin, die größte Insel Russlands, markieren die Ostgrenze des Landes. Auch der nordsibirischen Küste sind zahlreiche größere Inseln und Archipele (Nowaja Semlja, Sewernaja Semlja, Neusibirische Inseln) vorgelagert. Der Süden Russlands wird von zum Teil stark vergletscherten Hochgebirgen eingenommen (Kaukasus, Altai, Sajan). Höchste Erhebung des Landes ist der 5642 m hohe Elbrus im Kaukasus.

Tundra und Taiga
Südlich der Eismeerküste erstreckt sich die Tundrazone wie ein Band, das wegen der zunehmenden Kontinentalität des Klimas nach Osten hin breiter wird. Selbst am Südrand dieser Zone übersteigen die Sommertemperaturen im Julimittel nicht 10°C. Die Durchschnittstemperatur im Januar liegt im europäischen Landesteil bei -8°C bis -20°C, in Sibirien bei -20°C bis -34°C. Trotz geringer Niederschläge ist die Luftfeuchtigkeit (Nebel, starke Bewölkung) hoch. Hier fehlen Bäume vollkommen. Die Strauchvegetation erreicht in windgeschützten Niederungen Hüfthöhe. Ansonsten dominieren Flechten und Moose. Als Lebensraum für den Menschen kommt die Tundrazone nur inselhaft in Betracht - in Bergbausiedlungen wie Workuta und Norilsk oder Verkehrssiedlungen wie Murmansk.
Nach Süden folgt die Taiga, ein ausgedehnter Waldgürtel des gemäßigten Klimabereichs. Die Durchschnittstemperaturen des wärmsten Monats liegen zwischen 10°C im Norden und 20°C im Süden. Die Winter haben im Westen Januarmittel von -10°C, im Osten bis -45°C und sind somit kälter als in der Tundra. In der Regel fallen mehr Niederschläge als an Feuchtigkeit verdunstet - außer in den innersten und damit auch wintertrockensten Teilen Sibiriens. Die Böden sind meist mineral- und humusarm und bieten für eine ackerbauliche Nutzung nur begrenzte Möglichkeiten. Dies ändert sich zum Südrand der Taiga. Dort werden die Böden humusreicher, die Temperaturen wärmer und die Vegetationszeiten länger.

Wald- und Steppenland
Im europäischen Landesteil und im Fernen Osten folgen auf die Taiga natürliche Misch- und Laubwaldgebiete. In Sibirien sind sie wegen der großen Winterkälte unterbrochen. Der osteuropäische Mischwald ist ein "Geschenk" relativ feuchter atlantischer Luftmassen. Die Wintertemperaturen liegen im Westen um -3°C, im Osten, etwa an der mittleren Wolga, bei -12°C. Obwohl dieses Gebiet weder durch Fruchtbarkeit noch mit nennenswerten Rohstoffen gesegnet ist, bildete es das Kernland des spätmittelalterlichen russischen Reiches. Hier liegen Moskau und Sankt Petersburg. Sie sind die größten Industrieagglomerationen und die beiden traditionellen russischen Hauptstädte.

Sibirien - ein Land unendlicher Weite. Hügelketten werden zu Gebirgen, wieder zu Hügeln und erneut zu hohen Bergketten. Ebenen von Steppengras gehen in glitzernde Birkenwälder über, unterbrochen von schwarzblauen Seen, durchschnitten von träge dahinfließenden Strömen. Blau und Grün dominieren im Sommer und gehen in ein feines Weiß über, wenn der sibirische Winter hereinbricht. Gelegentlich ein Dorf, Blockhäuser, eine dünne Rauchsäule steigt kerzengerade in den Himmel...   Doch ist Sibirien auch ein unermeßliches Reservoir an Bodenschätzen, ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das inmitten der Wildnis Millionenstädte hervorgebracht hat. Sibirien verkörpert modernes Abenteuer und das wahre Erleben von Weite und Ruhe.

Die Halbinsel Kamtschatka
Rauchende Vulkane überragen die russische Pazifikhalbinsel Kamtschatka, eine der unstreitbar schönsten Regionen Russlands. An vielen Orten sprudeln heiße Thermalquellen aus dem Boden. Die 1000 Kilometer lange Halbinsel ist nur spärlich erschlossen. Außerhalb der Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatskij gibt es kaum Straßen, die den Namen verdienen. Kamtschatka ist Wildnis pur - so weit entfernt vom Zentrum Russlands, dass die Zaren die Halbinsel 1867 am liebsten zusammen mit Alaska an die USA verkauft hätten.

Vegetation und Tierwelt
Die Großlebensräume Russlands erstrecken sich klimabedingt in breiten Streifen von Westen nach Osten. In der baumlosen Tundra liefern Moose, Flechten und Polsterpflanzen die Nahrung von Wühlmäusen, Schneehühnern und Rentieren. Die Nadelwälder der Taiga, des größten zusammenhängenden Waldgebietes der Erde, bestehen aus Tannen, Lärchen, Fichten und Kiefern. Charaktertier ist der Elch; an Raubtieren gibt es noch Wolf und Braunbär sowie einige wertvolle Pelztierarten. In der im Fernen Osten folgenden Misch- und Laubwaldzone wachsen Eichen, Ahorn, Linden, Eschen und Magnolien. Bekannte Tiere sind, neben den für die Taiga genannten, Wildschwein, Reh, Rotwild und in Schutzgebieten der Wisent. Für den folgenden Steppengürtel sind Hartgräser, Knollen- und Zwiebelgewächse typisch. Steppentiere sind Murmeltier, Lemminge, Ziesel und Pferdespringer. Das Gebiet um den Amur ist Heimat des seltenen, streng geschützten Sibirischen Tigers.

Klima
Russland erstreckt sich über mehrere Klimazonen vom polaren Klima im arktischen Norden und im Osten bis zum warmgemäßigten, subtropischen Klima an der Schwarzmeerküste. Von Westen nach Osten zeigt das Klima abnehmenden atlantischen Einfluss. Die große Landmasse und fehlender Gebirgsschutz gegenüber den arktischen Luftmassen sind die wesentlichen Ursachen für das nach Osten mit zunehmender Trockenheit und wachsenden Temperaturschwankungen immer extremer werdende Kontinentalklima. Bei Oimjakon (südöstlich von Werchojansk) beträgt der Temperaturunterschied 69°C zwischen wärmstem (Juli + 16°C) und kältestem Monat (Januar -53°C).

Bevölkerung
Über 100 verschiedene Völkerschaften (davon 7 mit über 1 Million, 19 mit über 100 000 Angehörigen) leben in Russland; den Hauptanteil haben die staatstragenden Slawen (82% Russen, 3% Ukrainer); die zweitgrößte Gruppe bilden die turkmongolischen Völker (3,8% Tataren, 1,2% Tschuwaschen, 0,9% Baschkiren); der deutsche Bevölkerungsanteil (0,6%) ist rückläufig. Die Hauptsiedlungsgebiete nichtrussischer Gruppen sind der Nordkaukasus (Tschetschenen u. a.), Wolga- und Uralgebiet (Tataren und andere Völker), Südsibirien (turksprachige und mongolische Völker), Nordsibirien (Jakuten u.a.). In all diesen Gebieten leben auch Russen, die zum Teil sogar die Mehrheit stellen. Russisch ist Staatssprache, daneben sind in den einzelnen Teilrepubliken die jeweiligen Sprachen Amtssprache.
Größte Religionsgemeinschaft ist die russisch-orthodoxe Kirche. Unter dem massiven Druck der kommunistischen Machthaber verlor die russisch-orthodoxe Kirche jedoch einen Großteil ihrer Gläubigen. Seit dem politischen Machtwechsel erlebt sie nun wieder einen starken Zulauf. An zweiter Stelle steht der Islam (besonders in Tatarstan, Baschkirien, Dagestan und Tschetschenien). Außer Protestanten, Katholiken und Juden gibt es noch eine größere buddhistische Minderheit (vor allem in Südsibirien) sowie zahlreiche Sekten.
Die Bevölkerungsverteilung ist sehr ungleichmäßig: etwa 65% der Bevölkerung leben im europäischen Teil, in Sibirien leben nur 35%. Infolge der Industrialisierung steigt der Anteil der städtischen Bevölkerung; neben Moskau und St.Petersburg gibt es weitere 11 Millionenstädte.

Verkehr
Wichtigster Verkehrsträger ist die Eisenbahn. Ihr Streckennetz (149 000 km) hat seine größte Dichte im Südwesten des Landes sowie im mittleren europäischen Raum und in Teilen des Urals. Die um die Jahrhundertwende erbaute Transsibirische Eisenbahn ist noch immer die einzige Bahnverbindung vom europäischen Raum in den Fernen Osten. In Westsibirien wird sie durch zwei Parallelbahnen entlastet. In Ostsibirien und im Fernen Osten ist seit 1984 eine nördliche Parallelstrecke (Baikal-Amur-Magistrale) in Betrieb.
Im europäischen Raum Russlands bringt ein gut ausgebautes Kanalsystem der Binnenschifffahrt große Vorteile im Güterfrachtverkehr. Wichtigste Wasserstraße ist die Wolga; die größten Binnenhäfen sind St. Petersburg, Astrachan und Archangelsk.
Nur wenige der rund 50 russischen Seehäfen sind das ganze Jahr über eisfrei. Der Überseeverkehr wird zum Teil über Schwarzmeerhäfen abgewickelt. Wichtigste Seehäfen sind St. Petersburg und Wladiwostok/Nachodka.
In Sibirien sind die großen Ströme, die aber im Unterlauf nur wenige Monate eisfrei sind, und die Fluglinien von besonderer Bedeutung. Zentrum des nationalen wie internationalen Flugverkehrs ist Moskau, das allein über vier Zivilflughäfen verfügt.

Moskau, die größte Stadt Russlands, ist seit Lenins Tagen wieder Hauptstadt. Peter der Große hatte die Residenz 1712 in das von ihm gegründete Sankt Petersburg verlegt. Im Jahre 1918, als der Bürgerkrieg die neue Sowjetmacht erschütterte und die konterrevolutionären Truppen vor den Toren Petrograds standen, siedelte die bolschewistische Regierung nach Moskau über. Obgleich die Sowjetunion formal ein Bundesstaat war und die Regierungen der einzelnen Unionsrepubliken in deren Hauptstädten saßen, war Moskau als Sitz der Parteiführung und aller zentralen Behörden das Machtzentrum der Union. Nach wie vor ist es Regierungssitz Russlands, zugleich das größte Industriezentrum des Landes und wichtigster Verkehrsknotenpunkt. Damit erhielt die Stadt, die seit dem 14. Jh. als Symbol der nationalen Einigung Russlands galt, die Bedeutung zurück, die ihr - nach Ansicht vieler Russen - von jeher zustand.
Moskau ist nicht leicht zu definieren. Nicht jeder Russe und kaum ein Ausländer kann Moskau und seine Bewohner richtig verstehen. Moskau hat seine eigene Seele, seinen eigenen Charakter, seinen eigenen Lebensstil, seine Traditionen.
Moskau ist sehr groß und den Weg zu allen interessanten Stellen, ohne viel Geld für ein Taxi auszugeben, kann man mit Hilfe der
Metro finden. Die Moskauer Metro ist ein besonderes Erlebnis. Sie ist unglaublich schön. Die alten Stationen sind wirklich reichdekorierte Paläste.

Der Kreml
Der Stadtgrundriss Moskaus ist durch ein radial-ringförmiges Straßensystem um den Kreml charakterisiert. Der 28 ha große Kreml stammt in seiner heutigen Form aus dem späten 15. Jh., bebaut war sein Gelände schon im 12. Jh., als die Siedlung auf dem Hügel zwischen Moskwa-Fluss und der Neglinnaja erstmalig genannt wurde.

Symbol und Vorbild
Für den traditionsbewussten Russen ist Moskau mehr als eine Arbeits- und Einkaufsstätte. Er sieht in der Kreml-Kathedrale und den Zwiebeltürmen der Basilius-Kathedrale aus dem 16. Jh. auf dem Roten Platz ein Symbol russischer Geschichte und findet immer noch tiefen Gefallen an alten, ehrfurchtsvollen Sprichwörtern über die Stadt, wie das, wonach über Russland nur Moskau stehe, über Moskau nur der Kreml und über diesem nur Gott allein. Und er sieht sich in diese Wertepyramide einbezogen, ob er nun Gott, den Zaren, das Politbüro oder einen demokratisch gewählten Präsidenten an der Spitze der Pyramide stehen sieht.
Moskau war für Russland immer das, was ein Gesandter des deutschen Kaisers im 16. Jh. in einem bekannten Reisebuch beschrieb: "Russlands Haupt und Mitte". Und als solche hatte es für Russland bis heute immer auch etwas an Schaufensterfunktion. Nicht nur in dem Sinn, dass hier dem Besucher aus der Provinz oder dem Fremden aus dem Ausland etwas vorgemacht wurde. Die Stadt spielte auch eine Vorbildrolle, nach der sich andere Städte später ausrichteten.

St. Petersburg
Peter der Große hatte die Residenz 1712 in das von ihm gegründeteSankt Petersburg verlegt, das 1914-1924 Petrograd und 1924-1991 Leningrad hieß und jetzt wieder seinen alten Namen führt. Die Geschichte und Gegenwart Sankt Petersburgs (in sowjetischer Zeit Leningrad) sind durch zwei Männer gekennzeichnet, die stellvertretend für ganze Epochen stehen und deren Taten und Denken die Bewohner nachhaltig prägten: Zar Peter der Große und Lenin.
Zar Peter bereiste als erster Herrscher Russlands West- und Mitteleuropa und lernte die belebende Wirkung des Meeres auf Denkweise und Wirtschaft maritimer Nationen kennen. Daher verfügte er 1703 den Bau der Stadt. Als archimedischen Punkt, um das alte Russland aus den Angeln seiner Tradition zu heben und es näher an das fortgeschrittene Mittel- und Westeuropa heranzuhebeln, wählte er die damals unbesiedelten Mündungsmarschen des Newa-Flusses. In ihrer Naturausstattung waren sie denkbar ungeeignet für den Bau einer Stadt: niedrig gelegen, überschwemmungsgefährdet, grundwassernah, aus Schlick bestehend, ohne Stein als Baustoff und ohne geeignetes Bauholz. Die Lage des ausgewählten Standortes mit guter Flussverbindung und die Möglichkeit des Kanalbaues im flachen Hinterland hingegen waren günstig für sein Vorhaben. Zudem setzte Peter alle Mittel für den Bau der neuen Stadt ein: Er verfügte den Einsatz von Zwangsarbeitern, die aus allen Regionen des Reiches stammten. Er holte ausländische Architekten und Stadtplaner an die Newa, überhäufte sie mit Arbeit und gab ihnen russische Helfer an die Hand, die von ihnen lernen sollten. Darüber hinaus verpflichtete Zar Peter der Große Adel und Bürger, in die anfangs unwirtliche Stadt überzusiedeln und dort Palais und Wohnhäuser zu errichten. Über Jahre verbot er im restlichen Russland den Bau von Steinhäusern, weil die Maurer in Sankt Petersburg gebraucht wurden.
Das Ergebnis der Anstrengungen Zar Peter des Großen wie der seiner Nachfolger, die sich demselben Ziel verschrieben, ist erstaunlich: In etwa 150 Jahren erwuchs aus den Newasümpfen eine der schönsten Städte der Welt mit breiten Prachtstraßen, "Prospekte" genannt, barocken und neoklassizistischen Schlössern und Palästen, durchwirkt von Goldkuppeln und goldenen spitzen Turmhelmen.

Den Übergang vom zaristischen Sankt Petersburg zum sowjetischen Leningrad macht das ehemaligeWinterpalais deutlich. Einst Winterresidenz der Zaren, war es 1917 Sitz der provisorischen Regierung Kerenskijs, bis Lenin und Trotzkij am 7. November 1917 den Sturm auf das Winterpalais befahlen und die Oktoberrevolution einleiteten. Heute dient es als das größte Museum des Landes.
Darüber hinaus wurde die Stadt ein bedeutendes Zentrum von Kunst, Kultur und Bildung - fast alle Geistesgrößen Russlands im 18. und 19. Jh. lebten oder wirkten hier, und es gibt kaum einen Literaten des 19. Jh., der Sankt Petersburg nicht beschrieb, besang oder heftig kritisierte. Der geistige Hintergrund der Anfangsjahre reicht bis in die Neuzeit hinein: Das Selbstbewusstsein einer stark internationalen Gesellschaft mit der Tradition des "Fensters nach Europa" - dieses Gefühl von moderner Weltläufigkeit lässt die Sankt Petersburger auf das eher provinzielle Moskau herabblicken.

Kunst
Zu den ältesten Kunstdenkmälern auf russischem Boden gehören Steinwerkzeuge, Metallgeräte und Keramiken aus dem 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. Die Keramik der Tripolje-Kultur im Dnjepr-Gebiet trägt mehrfarbige Bemalung und geometrische Verzierungen; reiche Gold- und Silbergravierungen schmücken die Fundgegenstände der Majkoper Kultur. Typisch für die Erzeugnisse der skythischen Kunst in den Steppen nördlich des Schwarzen und Asowschen Meers ist ein expressiver Tierstil im Dekor kunstvoll gearbeiteter Metallgegenstände; Granitstandbilder auf Grabhügeln zählen zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen der skythischen Monumentalplastik. Ornamentierte Keramik- und Emailarbeiten, reich geschmückte Bronzegegenstände, Stickereien, Idolfiguren sowie Überreste von Wallburgen und heidnischen Tempeln blieben als Zeugen der im mythischen Denken verwurzelten altslawischen Kunst.

Baukunst
Zentrum der altrussischen Kirchenarchitektur war Kiew. Im Zug der Christianisierung kam es dort nicht zu einer bloßen Übernahme byzantinischer und romanischer Bautypen, sondern zu einer Verbindung mit einheimischen Holzbauformen. Haupttypus des Kirchenbaus wurde die Kreuzkuppelkirche (Sophien-Kathedrale als fünfschiffige, später mehrfach umgebaute Anlage).
Im 12. Jh. trat das Fürstentum Wladimir-Susdal das Erbe Kiews als kirchliches Kulturzentrum an. In die Zeit der Stadtanlage von Wladimir (1158-1164) fällt die Errichtung der Uspenskij-Kathedrale , in der das Kiewer Kreuzkuppelschema schöpferisch abgewandelt und bereichert ist. In Nowgorod vollzog sich der Übergang vom Holz- zum Steinbau mit der Errichtung der das Kiewer Vorbild übernehmenden fünfschiffigen Sophien-Kathedrale. Während in der Folgezeit die Kirchenbaukunst in Nowgorod unter dem Einfluss der Romanik einen Hang zur Monumentalität ausbildete und seit dem 15. Jh. historisierende Bauformen bevorzugte, entwickelte sich in Pskow aus der Kiewer Schule ein vielgliedriger Baustil. In Moskau hielt sich die Holzbauweise bis zum 15. Jh. Eine rege Bautätigkeit setzte um 1400 ein, bes. Klosterneubauten und der Ausbau des Kreml, wobei Einflüsse aus dem Wladimir-Susdal wirksam blieben, bis es nach der Vertreibung der Mongolen zur Ausbildung eines gesamtrussischen Architekturstils kam, in dem Natursteine durch Ziegel ersetzt wurden. Im 16. Jh.schuf die russische Architektur in den von der Holzbaukunst abgeleiteten Kirchen mit pyramidenförmigem Zeltdach einen nationalen Typus, für den oft bizarre Mischungen aus gotischen und italienischen Dekormotiven kennzeichnend sind, z.B. die Moskauer Basilius-Kathedrale.
Für die seit Peter dem Großen zu datierende Epoche der neurussischen Kunst ist die Verwendung westeuropäischer Bauformen typisch, z.B. die rechtwinklige Anlage des 1703 gegründeten St. Petersburg. Für den französisch-italienischen Barock ist das Winterpalast in Beispiel, daraus entwickelte sich ein nationalrussischer Rokokostil, der seit der Berufung von Giacomo Quarenghi durch Katharina II. (1780) vom Klassizismus verdrängt wurde. Russische Hauptmeister des klassizistischen Architekturstils sind M. F. Kasakow (Moskauer Senatsgebäude, 1776-1789) und W. I. Baschenow (Marinegebäude in Brasov, dem früheren Kronstadt). Zur Regierungszeit Alexanders I. kam ein russischer Empirestil, der sog. "alexandrinische Klassizismus" auf.
Die nach der Thronbesteigung von Nikolaus I. aufgekommene "vaterländische Richtung" der russischen Architektur war eine historisierende Baubewegung, A. P. Brüllow schuf in neoromanischem Stil 1832 die Peterskirche zu St. Petersburg, wo nach Schinkels Plänen auch eine gotische Kapelle errichtet wurde. Die klassizistische Richtung wurde seit der Jahrhundertmitte hauptsächlich von Ausländern weitergeführt; so baute L. von Klenze die Eremitage in St. Petersburg (seit 1851). Gleichzeitig verstärkten sich Bestrebungen zur Wiederbelebung der altrussischen Baukunst. Etwas später setzte auch die Verwendung von Jugendstilformen in der russischen Architektur ein.
Der Beitrag Russlands zur modernen Architektur beschränkte sich auf einige Entwürfe, wie von El Lissitzkij und W. Tatlin. Seit Mitte der 20er Jahre herrschte ein repräsentativer Monumentalstil vor, der in jüngster Zeit von sachlicher Formgestaltung und internationalen Einflüssen abgelöst wird.

Plastik
Die altrussische Bildhauerkunst besteht im Wesentlichen aus mit folkloristischen Elementen durchsetzten Werken der Reliefskulptur und der religiösen Kleinkunst (geschnitzte Ikonen, Buchdeckel, Brustkreuze, liturgische Gerät u. a.), da die orthodoxe Kirche die Aufstellung von Statuen in Gotteshäusern verbot. Hervorragendes kunsthandwerkliches Können verrät u. a. der 1896 aufgefundene Schatz von Wladimir.
Die zur Zeit Peters des Großen entstandenen Werke russischer Plastik wurden hauptsächlich von ausländischen Künstlern ausgeführt (Graf Rastrelli, Reiterdenkmal Peters des Großen, um 1744). Ein weiteres berühmtes Reiterdenkmal Peters des Großen schuf der durch Katharina II. berufene Franzose Falconet. Der nach 1812 neu erwachte Patriotismus wurde auf dem Gebiet der Plastik am deutlichsten im Werk von M. Antokolskij, einem Schöpfer realistischer Denkmäler, repräsentiert, während sich Fürst Trubetzkoy um 1900 wieder an der französischen Bildhauerkunst orientierte. Die im westlichen Ausland tätigen Bildhauer N. Gabo, A. Pevsner und A. Archipenko gelangten zu einer abstrakten, dynamischen Skulptur, während im Lande selbst der sozialistische Realismus bestimmend war. Unter dem Eindruck des französischen Impressionismus erlebte die russische Plastik am Ende des 19. Jh. einen neuen Aufschwung.

Malerei
Die ältesten Hauptwerke der altrussischen Malerei entstanden in Kiew  während und unmittelbar nach der Epoche Wladimirs und Jaroslaws, die Fresken- und Mosaikzyklen der Sophien-Kathedrale, dem Michail-Kloster und dem Kyrill-Kloster. Durch die Tätigkeit zahlreicher griechischer Künstler entwickelte sich eine Synthese aus der Linearität der byzantinischen Malerei mit freieren Kompositionsformen. Hauptwerk der frühen Miniaturmalerei ist das 1056/57 entstandene Ostromir-Evangeliar.
Die Malerei der westrussischen Fürstentümer stand lange unter Kiewer Einfluss (Ikone "Gottesmutter von Wladimir", 12. Jh.) und brachte eine Reihe bedeutender lokaler Ikonenschulen hervor. In Nowgorod reichen die Anfänge der Malerei, die auch hier weitgehend vom Stil der Kiewer Schule abhängig ist, bis ins 11. Jh. zurück. In die Ikonenmalerei Nowgorods drangen im 13. Jh. volkstümliche Motive und helle leuchtende Farben ein. Die 1378 ausgeführten Fresken in der Kirche der Verklärung Christi in Nowgorod zeigen bereits eine gewisse Individualisierung der Figuren; sie werden Theophanes dem Griechen zugeschrieben, dem  Lehrer des zu Beginn des 15. Jh. in Moskau tätigen Hauptmeisters der altrussischen Malerei, A.
Rubljow. Dessen graziöse und in der Linienführung klare Bilder (Wandmalereien der Uspenskij-Kathedrale in Wladimir, 1408) waren vorbildlich. Einen weiteren Höhepunkt in der Entwicklung der Malerei bedeutete die Tätigkeit des Meisters Dionisij und seiner Schule. Im 15. Jh. Im 16. Jh. verlor die russische Wandmalerei an Bedeutung, während es mit den miniaturhaft kleinen Ikonen der Stroganow-Schule zu einer Nachblüte der Ikonenmalerei kam. In den Fresken von Jaroslawl (Elisabethkirche, 1681) und Wologda (Sophienkirche, 1686-1688) zeigen sich westeuropäische Einflüsse, wie sie seit den ersten Romanows verbreitet waren.
Nach der Thronbesteigung Peters des Großen (1689), der den Franzosen L. Caravaque an seinen Hof berief, nahm die Porträtkunst unter den übrigen Gattungen der Malerei die erste Stelle ein. Die Malerei Russlands im 18./19. Jh. stand im Zeichen der Tätigkeit westlicher oder in Westeuropa ausgebildeter Künstler. In der Porträtmalerei, im Mehrfigurenbild und in Werken mit allegorischen und mythologischen Themen überwogen anfangs klassizistische und romantisierende Züge. In der Historienmalerei setzte sich dagegen ein romantischer Realismus durch, der seine Kräfte aus einer Rückbesinnung auf die geschichtliche Vergangenheit Russlands und auf das Formengut der russischen Volkskunst bezog. Voll dramatischer Bewegtheit und Spannung sind die Bilder von I.
Repin, dem Hauptvertreter der realistischen Malerei Russlands in der 2. Hälfte des 19. Jh. Die russische Volks- und Sagenwelt gewann in den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. zunehmend Oberhand über die aus dem Westen übernommenen Themenkreise und wurde zum tragenden Grund einer neuen, von romantischen Elementen durchsetzten Mystik (M. Wrubel).
Ausstellungen moderner Kunst und direkte Verbindungen mit westeuropäischen Künstlern führten zu Beginn des 20. Jh. zur Aktivierung junger schöpferischer Kräfte, die in der Emigrationskunst von W.
Kandinsky, M. Chagall und A. von Jawlensky die moderne europäische Malerei entscheidend mitbestimmten. Futurismus und Kubismus wirkten in Russland nachhaltig; Richtungen wie der Rayonismus von M. Larionow und der von K. Malewitsch begründete Suprematismus entstanden. In jüngster Zeit weicht die jahrzehntelange Vorherrschaft des sozialistischen Realismus größerer Experimentierfreude in der Malerei.

Literatur
Mit dem Christentum byzantinischer Prägung (Christianisierung um 988) erhielt Russland im 11. Jh. ein beachtliches Schrifttum in bulgarisch-kirchenslawischer Sprache (Ostromir-Evangelium 1056). Daneben entwickelte sich, von Klöstern und Fürsten gefördert, eine russische Literatur, die außer Heiligenlegenden, besonders die Geschichtsschreibung pflegte und im
Igorlied (1185-1187) ihren Gipfelpunkt erreichte. Das Vorhandensein einer reichen Volksdichtung bekunden die Reste der bis in die Neuzeit hinein überlieferten epischen Heldenlieder, der sog. Bylinen. Die Zusammenstellung des ersten vollständigen kirchenslawischen Bibelkodex erfolgte 1490-1499 unter Mithilfe eines Dominikaners. Die russische Literatur des 16. Jahrhunderts stand im Zeichen der Theorie von Moskau als dem "dritten Rom". Umfangreiche Monumentalwerke (liturgische Schriften, reich illustrierte Chroniken u. a.) bezweckten die Kodifizierung des Ererbten.
Durch die Beteiligung von Amtsleuten und Kaufleuten am literarischen Schaffen kam es im 17. zu einer Verweltlichung der russischen Literatur. Westeuropäische unterhaltsame Erzählstoffe wurden verarbeitet. Fest gefügte literarische Gattungen erhielten einen neuen Inhalt: Aus dem Heiligenleben erwuchs z. B. die Autobiografie, aus dem Kirchenlied die Satire. Erstmalig erhielt Russland eine Versdichtung (S. Polozkij).
Die von Peter I. durchgeführte Angleichung des kyrillischen Alphabets an das Lateinische bewirkte im 18. Jh. eine Aufspaltung der russischen Literatur in eine weltliche und eine am kirchenslawischen Alphabet festhaltende kirchliche. Die weltliche russische Literatur orientierte sich an der französischen und deutschen Literaturtheorie. W. K. Tredjakowskij, A. P.
Sumarokow, der Leiter des ersten ständigen russischen Theaters, und M. W. Lomonossow stellten Verslehren mit Musterbeispielen zusammen und förderten durch ihre Oden die russische Literatursprache. Klassizistische Tragödien entstanden. Verbreitung fanden satirische Versdichtungen und seit 1769 Zeitschriften zumeist satirischen Inhalts. In Milieukomödien wurden russische Missstände gegeißelt. Ende des 18. Jh. fanden Karamsins empfindsame Novellen zahlreiche Nachahmer. G. R. Derschawins Anakreontik näherte sich dem Rokoko.
Die ersten Jahrzehnte des 19. Jh. standen im Zeichen der Versdichtung ). A.
Puschkin, der russische Nationaldichter, schuf Meisterwerke in fast allen Gattungen und begründete durch Überwindung des Zwiespalts zwischen Kirchenslawisch und Russisch die moderne Literatursprache. Westeuropäische Einflüsse der Romantik wurden maßgebend, z.B. durch Lermontow. An N. W. Gogols mit stark realistischen Beobachtungen durchsetzte Erzählungen (er gilt als Vorläufer des psychologischen, sittlichen und sozialkritischen Realismus) schlossen sich in den 1840er Jahren die "Physiologischen Skizzen" an, drastische Schilderungen des Elends. Sie wurden in den 1860er und 1870er Jahren von den "Bytowiki" (byt, "alltägliches Dasein") zur Anklageliteratur erweitert (Grigorowitsch, N. A. Nekrassow), der Wegbereiterin des Naturalismus (P. G. Boborykin). In den 1840er Jahren entstanden die beiden sich befehdenden Gruppen der "Westler" (die nach Europa orientiert waren) und der Slawophilen (die die Eigenständigkeit der russischen Kultur verfochten). Seit 1846 verfolgte die russische Literatur soziale und politische Ziele. Sie übte scharfe Kritik an der Umwelt im Glauben an eine bessere Zukunft. Das Inhaltliche besaß Vorrang vor der Form im poetischen (I. S. Turgenjew), pragmatischen (I. A. Gontscharow), satirischen (M. J. Saltykow), psychologischen (F. M. Dostojewskij), plastischen (L. N. Tolstoj) und sozialen (A. N. Ostrowskij) Realismus. In den 1880er Jahren verdrängte die pessimistisch-melancholische Kurzerzählung (A.P.Tschechow) die Vorherrschaft des Romans. Als Reaktion gegen die Überbetonung des Inhaltlichen entwickelte sich seit der Mitte der 1890er Jahre der kosmopolitisch-pessimistisch ausgerichtete, von starkem Formwillen geprägte Symbolismus. Seine klingende Dichtung übertönte die von M. Gorki gestützte Arbeiterdichtung. Um 1910 entstanden neue Strömungen von kurzer Dauer, aber z. T. beachtlichen Leistungen.
Nach der Oktoberrevolution verließen viele Schriftsteller die Heimat (u. a. I. A.
Bunin, D. S. Mereschkowskij. I. G. Ehrenburg, A. N. Tolstoj, A. Belyj kehrten wieder zurück. Den Bruch mit der literarischen Tradition und ein klassengebundenes Literaturschaffen verlangte der "Proletkult" unter der Führung von A. Bogdanow. Die "Russische Vereinigung proletarischer Schriftsteller" bekämpfte sämtliche Strömungen, die nicht parteipolitisch ausgerichtet waren, besonders die 1920 entstandene Gruppe der Serapionsbrüder (N. S. Tichonow, V. B. Schklowskij u. a.); sie setzten sich für eine apolitische Kunst ein. Thematisch überwog die Schilderung von Bürgerkrieg und Revolution. Um 1926 zeigten sich Ansätze, den ewigen "nackten" Menschen (L. M. Leonow) in den Vordergrund zu rücken. 1934 erhielt die russische Literatur mit der Gründung des Verbands der Schriftsteller den Auftrag, mit der Methode des sozialistischen Realismus die Wirklichkeit in ihrer revolutionären Entwicklung zu schildern. Historische Romane (A. N. Tolstoj) bezweckten die Hebung des russischen Selbstgefühls. Der 2. Weltkrieg verlieh der russischen Literatur eine stark patriotische Note (z.B. I. G. Ehrenburg und A. A. Fadejew). Nach 1950 (Tauwetterperiode) erfolgte gleichzeitig mit der Rehabilitierung der meisten verfemten, verfolgten oder verbannten Schriftsteller eine Auflockerung des sozialistischen Realismus. Die Inhalte erfuhren eine Erweiterung durch Einbeziehung der Psychologie des Erlebens. Formprobleme gewannen an Gewichtigkeit. Im Gegensatz zur stalinistischen Literatur war nun ein ausgesprochen persönlich-menschlicher und kritischer Ton in Lyrik, Prosa und Drama zu vernehmen. Eine rege schriftstellerische Tätigkeit im Untergrund. Die Mitte der 80er Jahre beginnende politische Liberalisierung wirkte sich auch auf die Literatur aus. Es erfolgte eine radikale Auseinandersetzung mit der stalinistischen Vergangenheit. Seit Ende der 1980er Jahre entwickelt sich eine sog. alternative Prosa, deren Vertreter sich um eine neue Ästhetik bemühen); einen breiten Publikumserfolg verzeichnet gegenwärtig B. Akunin mit seinen Detektivromanen.

Musik
Die Volksmusik lässt sich bis ins frühe Mittelalter verfolgen; typisch ist die Bewegung der Melodie um einen Zentralton, unperiodische Formgestaltung, reich entfaltete Rhythmik (unter Verwendung unregelmäßiger Taktarten) und der Gebrauch von Volksinstrumenten (
Gusli, Bandura, Balalaika). Starken Einfluss gewann die im 10. Jh. aufkommende byzantinisch beeinflusste Kirchenmusik. Gegen Ende des 17. Jh. schloss man sich dem Ideal der italienischen Musik an, und erst im 19. Jh. begann die Entwicklung einer selbständigen weltlichen Kunstmusik.
Unter dem als "Vater der russischen Musik" bezeichneten M.
Glinka vollzog sich der Durchbruch zu der von A. N. Serow und A. S. Dargomyschskij fortgeführten Entwicklung einer nationalrussischen Kunstmusik. Diese Bewegung wurde in der Nachfolge weitergeführt durch die Meister der von dem damaligen St. Petersburg ausgehenden, 1860 gegründeten "Neurussischen Schule", Balakirew, Borodin, Mussorgskij und Rimskij-Korsakow, genannt das "Mächtige Häuflein"; Mussorgskij schuf mit "Boris Godunow" (1876) eine Nationaloper von Weltrang. Die "Moskauer Schule" dagegen schloss sich in ihrem Schaffen der westlichen Welt an, unter ihnen die Brüder N. und A. Rubinstein, Tschaikowski und A. K. Glasunow. Bei den Nachfolgern Tscherepnin, Rachmaninow, Gretschaninow   u. a. verwischten sich die Gegensätze. Besonders Skrjabin beeinflusste die russische Musik nachhaltig mit seinem sehr verfeinerten Klangempfinden.
Unter den russischen Komponisten der jüngeren Zeit sind besonders zu nennen: A. Mossolow, N. Roslawez, L. Sabanejew, A. Golyschew, A. Lourié. Darüber hinaus wurde I.
Strawinsky einer der für die gesamte zeitgenössische Musik bedeutendsten Meister, der im engeren Sinne aber nicht mehr zur russischen Musik gezählt werden kann.
Während der ersten Jahre nach der Oktoberrevolution stand das Schaffen der sowjetischen Komponisten unter dem Einfluss zeitgenössischer westeuropäischer Musikpflege mit den Zentren Leningrad und Moskau. Von den 1930er Jahren an vollzog sich die Ausbildung eines offiziellen realistischen Musikstils (Abgrenzung vom sog.
Formalismus der westlichen Musik). Komponisten dieser Richtung waren Glière, Chatschaturjan, mit gewissen Einschränkungen auch Schostakowitsch und Prokofjew. Immer wieder kam es zu Konflikten mit der offiziellen Kulturpolitik.
Seit den 70er Jahren setzte sich langsam wieder eine liberalere Haltung durch, die Komponisten benutzen inzwischen alle in der westlichen neuen Musik entwickelten Kompositionsrichtungen. Am bekanntesten sind A.
Schnittke und E. Denissow.

                                                                                                                        Bilder: ©  Monika Frunzke