Georgien
Hauptstadt:
Tiflis (Tbilissi)
Georgien (in georgischer Sprache Sakartvelo)
liegt im Westen
Kaukasiens und umfasst eine Fläche von 69 700 qkm. Es grenzt im Norden an
Russland, im Osten an Aserbaidschan und im Süden an Armenien und die Türkei. Über ein Drittel Georgiens ist bewaldet.
Die
landschaftliche Gliederung Georgiens wird von den zum Teil dicht bewaldeten
Gebirgsketten des Großen Kaukasus (im Kasbek 5047 m) mit seinen stark vergletscherten Kämmen im
Norden und dem Kleinen Kaukasus im Süden, der über 3000 m Höhe erreicht, bestimmt.
Der Große
Kaukasus ist
ein rund 1200 km langes und bis 200 km breites, im zentralen
Teil vergletschertes Hochgebirge zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer; der Elbrus steigt
auf 5642 m an. Das Gebiet des westlichen Kaukasus wurde 1999 von
der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Als
Kleiner Kaukasus werden
die nordöstlichen Randgebirge des Armenischen Hochlands in Transkaukasien
bezeichnet.
Die Hochgebirgslagen über 3000 m
sind ständig schneebedeckt. Dazwischen liegen die
subtropisch warmen und feuchten Flusstäler des Rioni und der oberen Kura. Hier
findet man eine subtropische Vegetation. Landwirtschaftlicher Kernraum ist das Kolchis-Tiefland im Mündungsgebiet des
Rioni am Schwarzen Meer.
In
Georgien gibt es viele Mineral- und Heilquellen mit Kur- und Badeorten.
Aber auch am Schwarzen Meer gibt es schöne Badeorte, z.B.
Suchumi, Batumi und Sotschi - allerdings sind hier die Strände
z.T. steinig.
Die Bevölkerung Georgiens zählt über 5 Millionen Einwohner und
besteht aus mehreren kulturell sehr unterschiedlichen Völkern: 72 % sind
Georgier (zu denen die Adscharen gerechnet werden), 8 % Armenier, 6 % Russen,
6 % Aseri (Aserbaidschaner), außerdem Osseten, Griechen und Abchasen. Die
Georgier, Adscharen und Abchasen sprechen kaukasische Sprachen, die Armenier,
Osseten, Russen und Griechen indoeuropäische Sprachen und die Aseri eine
Turksprache. Ein Großteil der Bevölkerung bekennt sich zum orthodoxen
Christentum; die Aseri, die Adschaten und ein kleiner Teil der Osseten sind
Moslems. Der nationalen Eigenständigkeit der Adscharen, Abchasen und Osseten
wurde durch die Zusicherung innerer Autonomie Rechnung getragen (Adscharische
Autonome Republik, Abchasische Autonome Republik, Südossetisches Autonomes
Gebiet), Abchasien hat sich jedoch de facto nach blutigen militärischen
Auseinandersetzungen 1992/93 von Georgien gelöst. Dabei wurden 250 000 Georgier
vertrieben.
Grundlage der Wirtschaft Georgiens sind die reichen Bodenschätze, vor allem
Mangan, Steinkohle, Kupfer, Erdöl, Wolfram, Baryt und Baustoffe, und die
intensiv betriebene Landwirtschaft. Georgien produziert Tee (in der Sowjetära
lieferte es 95 % des Unionsaufkommens), Wein, Obst, Getreide und Tabak. Die
wichtigsten Industriezweige sind Chemie-, Nahrungsmittel- und Metallindustrie
sowie der Maschinenbau. Von Bedeutung ist auch der Fremdenverkehr, der neben dem
Badetourismus in zahlreichen Kurorten am Schwarzen Meer auch den Wintersport im
Kaukasus umfasst. Die Wirtschaft erlitt bis Mitte der 1990er Jahre gewaltige
Einbußen, stabilisierte sich jedoch dann auf niedrigem Niveau. Die Bevölkerung
ist weitgehend verarmt.
Ein
paar Gedanken zur Geschichte des Landes:
Im Altertum stand das heutige Georgien unter persischem und
griechischem, dann unter römischem Einfluss. Im 4. Jh. wurde - wohl von
Armenien aus - das Christentum eingeführt. Wenig später erhielt Georgien eine
eigene Schrift. Gegen die Angriffe der Perser stellte sich Georgien unter den
Schutz von Byzanz. Im 7. Jh. überrannten die Araber das Land,
islamisierten es aber nicht; nur Tiflis war bis ins 12. Jh. eine
islamische Enklave. Seit dem 9. Jh. vollzog sich unter der Dynastie der
Bagratiden die Einigung des Landes. Im 12./13. Jh. erreichte
Georgien die größte Ausdehnung (vom Schwarzen bis zum Kaspischen Meer) und
erlebte unter Königin Tamara eine kulturelle Blüte. Im 13./14. Jh. wurde das Land von den Mongolen verwüstet. Danach zerfiel es in
Teilfürstentümer, die teils von der Türkei, teils von Persien abhängig waren.
Seit dem 16. Jh. fasste auch Russland in Georgien Fuß. Im 18.
Jh. begann es, mit einzelnen georgischen Herrschern Protektoratsverträge
zu schließen. 1801 annektierte es den östlichen Landesteil. Weitere Annexionen
folgten, bis schließlich 1878 ganz Georgien Bestandteil des russischen Reiches
war.