Dänemark
Hauptstadt:
Kopenhagen

Innerhalb der skandinavischen Staaten, die kulturhistorisch
zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen, nimmt das Königreich Dänemark eine
besondere Stellung ein. Als natürlicher Übergang vom europäischen Festland zur
skandinavischen Halbinsel kommt ihm eine wichtige Brückenfunktion zwischen den
Staaten Mittel- und Nordeuropas zu.
Obwohl Dänemark ein relativ kleines
Land ist an Fläche und
auch die Bevölkerungszahl relativ klein ist, war das Kernland zeitweilig ein weit ausgreifendes
Zentrum einer politischen Macht, die vom Nordkap bis zur Elbe, von Grönland bis
Estland reichte und zudem als Kolonialmacht Handelsstützpunkte in der Karibik,
in Westafrika und in Indien besaß.
Dänemark ist ein mit Inseln und Halbinseln aufgegliedertes Gebiet von 43094 qkm Land; zwei
Drittel davon umfasst allein die Halbinsel Jütland, ein
Drittel
entfällt auf die Inseln Seeland, Fünen, Lolland, Bornholm, Falster, Langeland, Alsen und 477 weitere kleine und kleinste Inseln. Zu Dänemark
gehören ferner die Färöer und auch die Insel
Grönland (rund 2166100 qkm, 56 000 Einwohner).
Das Land Dänemark ist die Fortsetzung des Norddeutschen
Tieflands, dessen Landschaftscharakter weitgehend von der letzten Eiszeit
bestimmt ist. Die Mitte der Halbinsel Jütland trägt einen ausgeprägten, bis
173 m hohen
Endmoränenzug.Vor ihm dehnen sich nach Westen breite, meist von Heide,
Wäldern und Mooren bedeckte Sandflächen aus, die z.T. kultiviert worden
sind. Dazu kommen mächtige Dünen an der wenig gegliederten,
hafenarmen Westküste.
Längster Fluss ist mit 158 km die Gudena auf
Jütland, größter See der Arresee, 41 qkm, auf Seeland.
Dänemark
kann man von Deutschland aus auch mit der Fähre erreichen.

Fahrt zur Fähre

Bevölkerung
Dänemark ist das am dichtesten bevölkerte Land Nordeuropas (124
Einwohner/qkm;). Etwa 85% der Menschen leben in den Städten. Die Bevölkerungsverteilung ist
jedoch sehr unterschiedlich. Verhältnismäßig dicht besiedelt sind die großen
Inseln Fünen und Seeland sowie Ostjütland, während der Westen und Norden
Jütlands sowie die meisten kleineren Inseln nur schwach besiedelt sind.
Die
Bevölkerung setzt sich fast ausschließlich aus Dänen zusammen, sie gehört zu
über 90%
der evangelisch-lutherischen Kirche an.
Der Ausländeranteil liegt bei etwa
5%.
Wirtschaft
Der wirtschaftliche Schwerpunkt
des Landes liegt in den
fruchtbaren, meist sanft gewellten Moränengebieten Ostjütlands und der Inseln,
deren weite Wiesen, Weiden und Felder von Buchenwäldern und Mooren unterbrochen werden. Die Küste ist hier durch Förden und tiefe
Buchten reich gegliedert.
Schwerpunkt der intensiven, meist genossenschaftlich betriebenen
Landwirtschaft ist die Viehzucht. Dänemark exportiert Butter, Käse, Eier,
Fleisch und Honig. Auch der Fischfang liefert erhebliche Exportüberschüsse. Etwa
drei Viertel der Ausfuhr entfällt allerdings auf Industriegüter. Die Industrie hat ihren
Hauptsitz in den Hafenstädten, wichtigste Industriezweige sind Lebensmittel-,
Textil-, Metall-, Maschinen-, Möbel-, Papier-, Elektroindustrie und die chemische
Industrie sowie der Schiffbau.
Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr sind erheblich. Der größte
Teil der Auslandsgäste stammt aus Deutschland. Wichtigste Reiseziele sind
Kopenhagen und zahlreiche Badeorte.
Verkehr
Dänemark verfügt über ein dichtes Verkehrsnetz. Die
Halbinsel- bzw. Insellage erfordert zahlreiche Brücken und Fähranlagen. Durch
die 1997 fertig gestellte Verbindung (Brücken, Tunnel) über den Großen Belt für
Eisenbahn- und Autoverkehr verfügt die Insel Seeland und vor allem auch Kopenhagen über eine feste Anbindung an das europäische Festland.
Durch die im Juli 2000 für den Verkehr freigegebene Öresundbrücke ist Kopenhagen
auch mit Malmö (Schweden) verbunden und damit auch sehr wichtig für den
europäischen Nord-Süd-Verkehr. Die wichtigsten Seehäfen sind Kopenhagen, Köge,
Ålborg u. a.
Bedeutend ist auch der Luftverkehr; größter
internationaler Flughafen ist Kastrup bei Kopenhagen.
Klima
Seiner Lage entsprechend
hat Dänemark ein ausgeglichenes mildes
und feuchtes See- und Küstenklima mit Südwestwinden, die Regen bringen - die durchschnittliche
Niederschlagsmenge ist aber relativ gering. Es gibt meist kühle bis mäßig warme Sommer
und relativ milde
Winter. Im Sommer liegen die Tagestemperaturen
durchschnittlich zwischen 18 und 25°C, die Nächte sind lang und kühl. Die
Winter zeichnen sich durch viel Regen und Frost aus. Dänemark
profitiert jedoch vom Nordatlantikstrom, einem Ableger des Golfstroms. Dank
seines Einflusses liegen die Durchschnittstemperaturen im Winter meist nur um den
Gefrierpunkt. Grönland jedoch unterscheidet sich klimatisch vom Rest Dänemarks. Hier
herrscht arktisches Klima mit sehr kurzen, kühlen Sommern und sehr langen und
extrem kalten Wintern.
Kopenhagen
Kopenhagen war einst der Mittelpunkt einer ausgedehnten Ostseemacht, heute ist
die Stadt das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des relativ
kleinen Königreiches Dänemarks.
Etwa jeder vierte Däne lebt in
Kopenhagen, sie prägen die charmante Atmosphäre der Stadt: Nicht nur das architektonische
Gesamtbild, sondern auch das Flair einer allen Traditionen zum Trotz jung wirkenden
Weltstadt machen den Reiz Kopenhagens aus.
Das Wahrzeichen Kopenhagens ist die Plastik der "Kleinen
Meerjungfrau", geformt nach einer Märchengestalt Hans Christian Andersens. Ihre Anziehungskraft auf die
Besucher aus aller Welt ist ebenso groß wie die des Tivoli oder die der
täglichen Wachablösung vor Schloss Amalienborg.
Weltruf genießt Kopenhagen auch als alte Universitätsstadt, als
Stadt der Museen, Theater, Galerien und der Künste und des königlichen Balletts. Kopenhagen ist aber auch die Stadt der kleinen Kunst, der
Stadtkultur und der Alternativszene.



Kunst
Jungsteinzeitliche Steingräber und Keramiken sind die ältesten
Kultur- und Kunstdenkmäler Dänemarks. Aus der Bronzezeit blieben außer
geschmiedeten Luren (Blasinstrument) und dem kultischen Sonnenwagen von Trundholm (Skulptur aus der älteren Nordischen Bronzezeit) reich verzierte Waffen, Helme und Schilde
erhalten. In der Wikingerzeit vermischte sich der
expressive Stil der germanischen Bandornamentik mit christlichen Motiven.
Plastik
Die Plastik Dänemarks hatte ihre ersten Höhepunkte in der
sakralen Kunst des 13. und 14. Jh. Hauptwerke des 15. Jh.
sind z.B. der Alabastersarkophag der Königin Margarete in Roskilde und der
Altar im Dom von Århus von B. Notke.
Mit den Werken B. Thorvaldsens erlangte die dänische Bildhauerkunst um 1800 im
Klassizismus erstmals auch internationale Geltung. In den ersten beiden Jahrzehnten des 20.
Jh. wurde K. Nielsen durch die kraftvoll-symbolistische Formensprache bekannt.
Malerei
Die Frühgeschichte der dänischen Malerei zeigt
sich in
romanischen und gotischen Wand- und Deckenbildern
(Kalkmalereien) in zahlreichen Kirchen Auffallendstes Merkmal der Werke des
Mittelalters ist ihre expressive Stilisierung. Letzte bedeutende Beispiele der
dänischen Freskenkunst sind die Malereien im Dom von
Århus.
Erst die dänischen Klassizisten Abildgaard, Juel und Eckersberg legten den Grundstein zu einer nationalen Malerei.
Lundebye, Skovgaard und Sonne vertraten eine mehr romantisch
gefärbte Richtung.
Mit Philipsen hielt der
Impressionismus seinen Einzug in die dänische Malerei. Die abstrakte Richtung
der Gegenwartsmalerei vertreten besonders A. O. Jorn und R. Mortensen. In den 1990er Jahren
vermittelten Maler und Bildhauer neue Ausdrucksformen, die
die Kunstbegriffe Skulptur und Malerei erweiterten. Per Kirkeby widmete sich in
seinen
Bildern dem Neoexpressionismus.
Kunsthandwerk
Das dänische Kunsthandwerk zeichnet sich durch hochwertige
Arbeit aus, viele Entwürfe gehören heute zur
klassischen Moderne. Besonders das dänische Möbel-, Innenraum- und
Industriedesign hat internationalen Ruf erlangt. Daneben stehen die Gold-
und Silberschmiedekunst, das Kopenhagener Porzellan und Kunstglasprodukte.
Literatur
Die dänische Literatur fällt in ihren Anfängen weit gehend mit
der altnordischen Literatur zusammen. Eine eigentliche dänische Literatur
entstand erst im 16. Jahrhundert (T. Kingo).
Das "goldene Zeitalter" der dänischen Literatur begann mit dem
aus dem norwegischen Bergen stammenden L. Holberg und fand in dem Lyriker und Märchenerzähler J. Ewald und dem Dramatiker A. G. Oehlenschläger seinen Höhepunkt. Hinzu kommen noch der Dramatiker
H. Hertz und der weltberühmte Märchendichter H. C. Andersen.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts standen nicht wenige Autoren
unter dem Einfluss der von S. Kierkegaard entfachten Ideendebatte. Den eigentlichen "Durchbruch"
zur Moderne erzwangen G. Brandes als Literarhistoriker sowie H. Drachmann und J. P. Jacobsen als führende Dichter.
Die moderne dänische Literatur erscheint trotz mancher
ethischer Zielsetzungen im Widerspruch zwischen hauptstädtischer Zivilisation
und bäuerlicher Kultur vor allem ästhetisch zurückgezogen. Der Einfluss H. J. Bangs auf den europäischen Impressionismus ist nicht zu
unterschätzen, ebensowenig wie der der beiden Nobelpreisträger H. Pontoppidan und J. V. Jensen. Dramatiker von übernationaler Bedeutung sind K. Abell, K. Munk und C. E. Soya. Unter den Autoren, die seit den 1960er Jahren
hervortraten, sind der vielseitige K. Rifbjerg, V. Sörensen, ein von der Psychoanalyse geprägter ironischer Erzähler,
und L. Panduro, Autor von humorvoll-fantastischen Romanen, zu erwähnen.
In den 1970er Jahren dominierten gesellschaftspolitische Themen (K.
Thorup), während die Literatur der 1980er Jahre eine Hinwendung zum
Exotischen erfuhr; international erfolgreich war hier P. Høeg. Im Zentrum von Lyrik und Prosa an der Wende zum 21.
Jh. steht die Auseinandersetzung mit Sprache und die Suche nach einer
neuen Ästhetik (P. Tafdrup, C.
Grøndahl)
Musik
Die Musik erlebte in Dänemark im
16./17.Jh. unter König
Christian IV. eine erste Blütezeit, mit den Ausländern Dowland, Brade und Heinrich Schütz, aber
auch mit den dänischen Musikern Hans Nielsen und Mogens Pederssön. Im 18. Jh.
beherrschten die italienische Oper und das französische Ballett, später die
deutsche Oper das Musikgeschehen. Erst mit der Wiedererweckung des dänischen Volkslieds
durch Bergmann und mit dem reichen Schaffen Hartmanns konnte sich ein nationaler Musikstil entfalten,
der seinen größten und bedeutendsten Meister im 19. Jh. in Niels W. Gade fand. Zu den bekanntesten Komponisten des 20. Jh.
gehören Riisager, Holmboe, Maegaard, Bentzon und
Nörgård.
Bilder: © Michael Frunzke